Fast das ganze Jahr über eingetaucht in mediterranes Sonnenlicht, trägt die Levante-Metropole Valencia ihren Beinamen La clara (die Helle) völlig zurecht. Im Juli steht die drittgrößte Stadt Spaniens unter dem Zeichen der Feria de Julio, des Julimarktes, mit zahlreichen Veranstaltungen und Konzerten im Freien, Stierkämpfen und der großen Blumenschlacht in der Alameda, der Allee im ehemaligen Flussbett, am 31. Juli. Doch auch sonst hat die Stadt an Kultur, Kulinarischem, Shopping, Sport und Strand viel zu bieten. Bereits 138 v. Chr. von den Römern gegründet, blickt Valencia auf eine lange und turbulente Geschichte zurück. Besetzungen durch die Mauren, Kastilier und Franzosen haben ihre Spuren hinterlassen. Architekturliebhaber finden in den zivilen und sakralen Bauwerken ein breites Spektrum von maurischen Einflüssen, über Gotik, Renaissance, Barock, Jugendstil (modernismo) bis zur Gegenwart. Aber mehr als nur ein kultureller Stadtrundgang erwartet uns.
Wir starteten beim Estación del Norte, dem Nordbahnhof, der als schönstes Jugendstilgebäude gilt. In der Fassade findet sich immer wieder das Orangen-Motiv, das Wahrzeichen der Orangenblüten-Küste.
Von hier aus lohnt sich ein Blick auf die imposante Stierkampfarena von 1860, in der auch viele Konzerte stattfinden. Weiter ging es zur gotischen Seidenbörse, der Lonja, einem UNESCO-Weltkulturerbe, aus dem 15.Jahrhundert, die eine fast sakrale Würde ausstrahlt und von der Blütezeit der Handelsstadt Valencia zeugt. Im nebenan gelegenen Gefängnis landeten damals unehrliche Handelsleute, wie unsere spanische Stadtführerin Ana mit einem Zwinkern anmerkte.
Von hier ist es ein Katzensprung zur belebten Markthalle aus den 20er Jahren, wo unter lichtdurchfluteten Eisen-Glas-Kuppeln im Stil des modernismo alles an Meeresgetier, Obst, Gemüse und Gewürzen zu finden ist, was die Reize der mediterranen Küche ausmacht. Leider konnten wir nicht zu lange in kulinarischen Genüssen schwelgen, denn jeden Donnerstag um 12 Uhr ist High Noon angesagt: Seit 1000 Jahren tagt vor der Kathedrale das weltweit einzigartige Wassergericht, das Tribunal de las Aguas - bei dem acht schwarzgekleidete Herren Streitigkeiten um das kostbare Nass schlichten. Diesmal war der Spuk bereits nach wenigen Minuten vorbei und wir waren froh, der Mittagshitze ins kühle Gemäuer der Catedral de Santa Maria zu entfliehen. Ursprünglich eine maurische Moschee, wurde später gotisiert und barockisiert, auch klassizistische Elemente finden sich in der Seitenkapelle. Die gotische Capilla de Santo Cáliz birgt angeblich den Heiligen Gral und im Museu de la Catedral sind unter anderem Gemälde von Goya zu bewundern.
Bevor es weiterging, stärkten wir uns auf der Plaza de la Virgen bei einer horchata de chufas (Erdmandelmilch), eine der leckeren regionalen Spezialitäten. Nicht weit entfernt liegt die Plaza Redonda, ein kleiner runder Platz mit Springbrunnen und Geschäften mit Kunsthandwerk, den wir am Sonntag Vormittag zum Flohmarkt noch mal besuchen wollten. Nach so viel Kultur fuhren wir zum Mittagessen ins Naherholungsgebiet L’Albufera, wo wir bei einem lauen Lüftchen am Binnensee valencianische Paella genossen, die übrigens mit Kaninchen und Hühnchen zubereitet wird. Mein Tipp für Nachtisch: Flan.
Nach der üppigen Mahlzeit lud für den Rest des Tages der lange, breite Strand zur Erholung ein und gegen Abend die Strandpromenade mit ihren Verkaufsständen zum Schlendern. Am späten Abend stürzten wir uns in das quirlige valencianische Nachtleben um in den unzähligen Bars und Straßencafés der Gassen und Plätze des Altstadtbezirks El Carme das ein oder andere Agua de Valencia genießen.

