Die engen Strassen und die gemütliche von Arkadengängen umrundete Plaza des kleinen Städtchens Olite quellen über von Menschen. In den Bodegas unter den Arkaden sitzen die Zuschauer und jubeln den Teilnehmern des festlichen Umzuges zu. Die alles beherrschenden Farben der Kleidung sind weiß und rot. Besonders fallen die leuchtendroten Schärpen auf, die die Männer, Frauen und Kinder um die Hüften geschwungen haben. Es ist September, und Olite, die Weinhauptstadt Navarras, feiert ihr alljährliches Weinlesefest.
Der kleine Ort mit dem mittelalterlichen Ambiente, für das nicht zuletzt die mächtige zinnenbewehrte und wunderschöne Burg in der Ortsmitte sorgt, ist berühmt für seine Weine. Weinanbau und -produktion bestimmen das Alltagsleben in Olite. Hier befindet sich ein Weinmuseum, in dem man alles erfährt über Anbau und Produktion in einer der vinologisch interessantesten Gegenden Spaniens, in der besonders die junge Winzergeneration bemerkenswerte Akzente setzt. Die noch immer meist für den Rosé-Wein genutzte Garnacha-Traube, die früher ein Monopol innehatte, macht heute weniger als die Hälfte der Weingärten aus. Zusätzlich eingeführt wurden vor allem Tempranillo, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Merlot und Syrah. Insbesondere die Mischung aus mehreren dieser Traubensorten macht heute die Qualität der Weine Navarras aus.
Einst stand Navarra diesbezüglich im Schatten des mächtigen Nachbarn La Rioja, der berühmtesten Weinregion Spaniens. Wer sich in diese mit Weinfeldern reich gesegnete Region begibt, kommt nicht umhin, die pittoresken Städtchen wie Haro, Calahorra oder dem am Jakobsweg liegenden Santo Domingo de la Calzada zu besuchen. Ein Muss: die Stippvisite in einer oder mehreren der zahlreichen Bodegas, die entlang den Strassen und Ortschaften liegen. Bekannte und klingende Namen begegnen dort einem jeden Weinkenner. Und fast jede Bodega ist auf Besuche eingestellt.
Ebenfalls im September findet in Logroño das bekannteste Weinlesefest Spaniens statt. Die Fiesta de Vendimia Logroños in der zweiten Septemberhälfte beinhaltet nicht nur eine Woche mit Umzügen, Musik, Tanzveranstaltungen und Stierkämpfen. Höhepunkt ist das traditionelle Traubenstampfen auf der Plaza del Espolón, dem Hauptplatz der Stadt. Hier steht jeweils am 21. September ein riesiger Holzbottich, der nach und nach von in den verschiedenen Trachten der Rioja gekleideten jungen Männern und Frauen mit Trauben aufgefüllt wird. Zwei Männer mit roter Schärpe steigen feierlich mit hochgekrempelten Hosenbeinen und barfuss in den Bottich. Dann stampfen sie, sich an den Händen fassend, nach alter Tradition und unter dem Jubel der Umstehenden, die Früchte zu rotem Most. Dieser erste Most des Jahres wird in einen Krug abgefüllt und feierlich der Schutzpatronin, der Virgen de Valvanera, geopfert.
Infos:
Olite (etwa 3.800 Einwohner) ist eine Stadt in der Comunidad Foral Navarra in Nordspanien. Sie liegt 42 km südlich von Pamplona und 50 km nördlich von Tudela.
Navarra ist ein spanisches Weinbaugebiet in der Region Navarra. Die Anbaufläche beträgt etwa 15.900 Hektar. Seit 1975 verfügt das Gebiet über den Status einer D.O. (Denominación de Origen).
Rioja [ˈrjoxa] ist ein Weinbaugebiet in Spanien. Es befindet sich in den Autonomieregionen La Rioja, Baskenland und Navarra. Das Weinbaugebiet besteht aus den Teilgebieten Rioja Alta (im oberen Gebiet des Ebrobeckens), Rioja Baja (im unteren Gebiet des Ebrobeckens) und Rioja Alavesa (zur baskischen Provinz Álava gehörend, baskisch Arabako Errioxa). Es ist Mitglied im Netzwerk Great Wine Capitals. Auch der Wein selbst wird Rioja genannt.

