Bis zum heutigen Tag liegt das Chorherrenstift Neustift im Südtiroler Eisacktal so verkehrsgünstig, dass man auch bei der Durchreise auf eine Besichtigung nicht verzichten sollte. Bereits im Jahre 1142 gründete Hartmut von Brixen das Kloster Neustift. Die ersten Chorherren kamen damals aus Kloster Neuburg und da der Bischof das Stift sehr grosszügig mit Gütern ausstattete, erreichten die Chorherren von Neustift schnell Ansehen und Einfluss in der Region. Bereits zu dieser Zeit war die günstige Lage im Eisacktal an der Kreuzung zweier wichtiger Verkehrs- und Pilgerwege im Wetterschatten der nahen Alpen günstig für die Entwicklung des Klosters.
Der Gast betritt den Stiftshof des teils hervorragend restaurierten Gebäudekomplexes noch heute durch das wappengeschmückte Hauptportal. Im Zentrum des Hofes steht der sogenannte Wunderbrunnen, der im Jahre 1508 zu Wasserversorgung des Klosters gegraben wurde. Unter Propst Hieronymus II. erhielt es Ende des 17. Jahrhunderts sein heutiges Aussehen und daraus resultiert auch sein Namen. In den Giebelfenstern des an eine zierliche Pagode erinnernden Brunnenhauses findet man seither die sieben klassischen Weltwunder. Ins achte Feld, vielleicht etwas vermessen, malte der Künstler das Kloster Neustift. Zu den attraktivsten Räumen, die man bei einer Führung kennenlernen kann, gehört die Stiftsbibliothek. Als historische Studienbibliothek mit 76.000 Bänden ist sie bis in die Gegenwart Anziehungspunkt für Wissenschaftler aus nah und fern.
Nicht ganz so historisch exakt, doch nicht weniger interessant ist der Weinkeller mit Verkostung und Verkauf. Zu den Gütern des Klosters gehören, man mag es geahnt haben, zahlreiche Weinberge. Und dass der köstliche Tropfen, der aus den Beeren des Stiftes gekeltert wird, als Mitbringsel in so manche Tasche eines Klosterbesuchers wandert, verwundert auch niemanden.

