10.05.2005

Chioggia

Liebenswertes Nest im Schatten Venedigs

Kanal in Chioggia, Italien
Am südlichen Rand der Lagune von Venedig, im schier übermächtigen Schatten der Serenissima, liegt Chioggia, ein romantisches Fischerstädtchen mit ebenso liebenswerten wie zanksüchtigen Bewohnern. Der große Komödiendichter Luca Goldoni hat sie verewigt. In seinen "baruffe chiozzotte", den Streitigkeiten von Chioggia charakterisierte er 1707 die Bewohner des Küstenstädtchens als zänkisch, laut und Tratsch liebend. Und noch heute prägen lautstarke Diskussionen und offene Geselligkeit das Leben.

 

Liebe, Streit, Musik - jegliche Geräuschentwicklung wird so zum halböffentlichen Ereignis - und zum Gesprächsstoff auf der Piazza. Im Sommer wird Goldonis Komödie immer wieder an den Original-Schauplätzen aufgeführt - auch ohne Kenntnisse des strengen Dialekts ein Vergnügen.

 

Chioggia ist uralt: Der Legende nach siedelte hier Clodio, ein Gefährte des trojanischen Prinzen Äneas, der um 2.000 vor Christus aus seiner zerstörten Heimat geflohen war.  Es folgten Etrusker, Römer, Langobarden und viele mehr - zuletzt eroberten Touristen das verträumte Fleckchen Italien mit den kleine Kanälen und den bunten Fischerbooten.

 

Jeden Donnerstag schlagen fahrende Händler auf dem Corso del Popolo ihre Marktstände auf, der Mercato di Chioggia ist im ganzen Veneto berühmt, hier gibt es vor allem Kleidung, aber auch frische Lebensmittel, Schuhe und Haushaltswaren.

 

Kilometerlanger Strand von Chioggia, Italien
Daneben bietet Chioggia kilometerlange, breite Strände mit feinem, hellem Sand. Vor allem entlang der Strandpromenade des Stadtteils Sottomarina, dem Lungomare warten ungezählte Liegestühle auf Badegäste aus aller Welt. Abends füllt sich der Lungomare dann wieder, Jung und Alt bummeln, flirten, lassen sich in einer der zahlreichen Bars und Cafes nieder. In Chioggia und Sottomarina, aber vor allem im Umland kann man hervorragend Fisch essen - kein Wunder, gehört Chioggia doch zu den größten Fischereihäfen Italiens. Die Fangflotten fahren weit ins Mittelmeer hinaus, um tagesfrische Fische und Krustentiere ins Land zu bringen.

 

Chioggia stand immer schon in Konkurrenz zu Venedig - und es gab eine Zeit, da schien der kleine Bruder im Süden gar die Stadt auf Stelzen zu überflügeln - was dann aber nicht lange hielt. In der Nähe der Anlegestelle für Linienboote nach Venedig thront ein Löwe auf einer Säule, der einst dem prächtigen Wappentier Venedigs Paroli bieten sollte. Doch dem Bildhauer gelang es nicht recht, seinem Werk einen stattlichen Ausdruck zu verleihen. Immer mehr trug er vom Marmor ab, um den Löwen zu verbessern. So lange, bis die Einwohner das Tier respektlos nur noch Katze nannten.

 

Letzte Änderung: 10.05.2005
Medien (diese Seite): pthm
Autor: pthm

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