26.06.2000

Koserow und die Glocken von Vineta

Im Nordwesten von Usedom

Nordwesten von Usedom
An Usedoms schmalster Stelle zwischen Achterwasser und Ostsee, bei Koserow, lebte der „Altmeister norddeutscher Landschaftsmalerei“ Otto Niemeyer-Hollstein, der 1896 in Kiel geboren, 1984 auf Usedom verstorben und in Benz beigesetzt ist.

 

Der Ückeritzer Maler Otto Manigk weckte Niemeyers Interesse für die Insel. 1936 liess Niemeyer einen alten Eisenbahnwaggon von Berlin nach Usedom bringen und zog mit seiner Frau auf die Insel. Vom Malen allein konnte die Familie nicht leben. Er kaufte ein Segelboot - „Die Lütte“ - und führte Bootstouren auf dem Achterwasser durch. So nannte man den Anlege- und Wohnplatz des Malers „Lüttenort“. Dort lebte und arbeitete Niemeyer bis zu seinem Tode. Er liebte den Strand und das Meer und war fasziniert von der Veränderlichkeit des Landes. Täglich ging er am Strand spazieren und liess sich inspirieren. In seinem Tabu, so nannte er seine Arbeitsstätte, entstanden seine Werke.

 
Nordwesten von Usedom
An den Dünen in der Nähe der Seebrücke von Koserow stehen die Salzhütten, die früher als Salzlager dienten. Heute wird dort fleissig geräuchert, man kann die Meeresköstlichkeiten in einer der urigen Hütten geniessen und dem Schifferklavier lauschen. Lauschen sollte man auch am Strand von Koserow, denn dort soll versunken im Meer die reiche Stadt Vineta liegen. Der Erzählung nach soll Vineta wegen des sündigen und gottlosen Lebens seiner Bewohner vom Meer verschlungen worden sein. Vom Koserower Streckelsberg soll man in stürmischen Nächten die Glocken aus dem versunkenen Reich klingen hören.

 

Nicht weit von Koserow liegt das Ostseebad Zinnowitz. Die Industriegewerkschaft „Wismut“ (Bergleute aus Thüringen und Erzgebirge) nahm 1953 den gesamten Ort in Besitz. Im stalinistischen Stil wurde 1956 das Kulturhaus und 1977 der direkt am Strand befindliche Neubaublock „Roter Oktober“ (heute Hotel Baltic) fertiggestellt.

 

Letzte Änderung: 26.06.2000
Medien (diese Seite): yvbi
Autor: yvbi

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