15.09.2003

Naturwunder in der Ödnis Äthiopiens

Archäologische Funde machen den Turkana-See berühmt

Lake Turkana - der Jade-See, Äthiopien
Lake Turkana - der Jade-See. Nach elfstündiger, anstrengender Fahrt durch Geröllwüste und Lavafelder liegt er nun vor uns am Fusse des Gebirgskammes - gleissend in der immer noch erbarmungslos sengenden Hitze der Nachmittagssonne. Noch nie habe ich eine menschenfeindlichere Gegend gesehen. Schutt- und Lavageröll so weit das Auge reicht: Kein Anzeichen von Leben mehr in dieser endlosen, totalen Ödnis. Nur ein paar vereinzelte Dornbäume trotzen tapfer der Dürre, ihre Nadeln zaubern kleine grüne Farbtupfer in die eintönige Landschaft.

 

Der Lake Turkana oder Rudolfsee, wie er von seinem Entdecker, dem österreichischen Grafen Teleki genannt wurde, reicht von der äthiopischen Grenze knapp 260 Kilometer nach Süden. Er wird im Norden durch den Omo gespeist, der im äthiopischen Hochland westlich von Addis Abeba entspringt. Das Wasser des Sees ist stark salzhaltig - der Grund, weshalb an seinen Ufern kaum etwas gedeiht. Einer Theorie zufolge war der Turkana See früher über den Nil mit dem Mittelmeer verbunden, was auch die Existenz der Nil-Barsche und Pufferfische erklären würde.

 
Turkanasee

1972 wurde der Turkana See schlagartig weltberühmt. Der Archäologe Richard Leakey fand am Nordostufer des Sees das Fragment eines Schädels. Aus diesem und 300 weiteren Einzelteilen gelang es, den Schädel eines menschenähnlichen Wesens zu rekonstruieren. Jahrzehntelang galt der Fund "1470" (seine Indexnummer im Kenianischen Museum) als der früheste Beweis für die Abstammung des Menschen vom Affen. Uns bleiben noch 20 Kilometer Fahrt bis Layangalani, der einzigen Stadt am Ostufer des Turkana Sees. Von einer unterirdischen Süsswasserquelle versorgt, entstand hier eine kleine Oase, ein Paradies inmitten der Wüste. 1965 begannen in Layagalani die ersten katholischen Missionare die einheimischen Nomaden vom Stamm der Turkana, der Samburu und der Rendille zum christlichen Glauben zu bekehren. Die Turkana und die Samburu gehören wie die mit ihnen verwandten Massai zu den nilotischen Völkern.

 

Man nimmt an, dass sie vor Hunderten von Jahren aus dem Niltal nach Süden gewandert sind, um sich in dem Gebiet um den Turkana See niederzulassen. In dieser abgeschiedenen Region haben sie ihre traditionelle Lebensweise bis in das 21. Jahrhundert bewahrt. Auch heute noch, leben viele als Viehhirten ein halbnomadisches Leben und ernähren sich überwiegend von Milch und Tierblut.

 

Turkanasee
 

Letzte Änderung: 15.09.2003
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

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