14.06.2002

Tokyo

Urbanes Delirium

Palastgarten, Tokyo

 

Will man Tokyo einem Fremden beschreiben, so offenbart sich sofort ein Paradoxon. Gilt Tokyo einerseits als eine der dichtbesiedeldsten Städte weltweit, so ist das geografische Zentrum leer. Eingebettet in einen für die Öffentlichkeit teilweise zugänglichen Park liegt dort der Kaiserpalast, umgeben von Wassergräben und dichter Natur. Hat man dort auch das Gefühl, dass die Stadt Platz zum Atmen hat, offenbart sich nur ein paar Strassenzüge weiter das dichte Treiben in der mit Neonreklamen übersäten Stadt.

 

Tokyo ist am ehesten als Ansammlung von Dörfern zu begreifen, welche im Laufe der Zeit zu diesem Stadtkonstrukt zusammengewachsen sind. Die jeweiligen Zentren gruppieren sich immer rund um die innerstädtischen Bahnhöfe und U-Bahnstationen, die tagtäglich die gewaltigen Menschenmassen aufnehmen, die zu ihren Arbeitsplätzen transportiert werden wollen. Die Station Shinjuku, an der berühmten Yamanote Ringlinie, bildet mit einer Passagierleistung von fast 3,5 Millionen Menschen pro Tag dabei das dichteste Zentrum Tokyos.

 

Haus für Teezeremonie im Hamarikyupark, Tokio
Als Tokyoreisender muss man unweigerlich durch dieses Labyrinth. Es empfiehlt sich dabei, einen Zwischenstop einzulegen. Sowohl das angrenzende Vergnügungsviertel Kabukicho als auch das Anfang der neunziger Jahre neueröffnete Rathaus, mit seiner kostenfrei zugänglichen Aussichtsterrasse, lohnen für einen kurzen Abstecher. Wem das hektische Treiben jedoch zu bunt wird, dem sei ein Besuch in einem der vielen innerstädtischen Parks an Herz gelegt. Bekannt für ihre Gartenkunst offenbaren sie Oasen der Ruhe, die neben dem Erholungswert auch einen tiefen Einblick in das Naturverständnis der fernöstlichen Denkweise gewähren. Als Geheimtipp ist dabei der in unmittelbarer Nähe der Einkaufsmeile Ginza gelegene Hamarikyupark hervorzuheben. Neben der Möglichkeit sich dort bei einer Teezeremonie mit Grüntee zu stärken, besteht auch die Möglichkeit einer Bootsfahrt, bei der man die Stadt der Superlative aus der Hafenbucht aus beobachten kann. Tokyo bietet in der Tat Aussergewöhnliches, wer dabei seine gewohnte Sichtweise über Bord wirft und sich auf die pulsierende Energie einlässt, wird mit Sicherheit ein unvergessliches Reiseerlebnis erfahren.
 

Letzte Änderung: 14.06.2002
Medien (diese Seite): kuha
Autor: kuha

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