Camel-Team in Tokyo
"Tokyo - Translation found"
Gegen Abend verlassen wir das Shibuya-Viertel, dass zu den angesagtesten Stadtteilen Tokios gehört. Wir kommen an Spielbuden vorbei, in denen Geschäftsmänner neben Kids auf Aliens schießen. Kaum verhallt der Lärm, riechen wir schon den süßen Duft von Sojasprossen - kleine Restaurants servieren Nudeln und Fisch. Tokio ist so anders. Und doch so schön.
Oder besser gesagt: jeder außer uns. Doch als Arne der blauen Bahnlinie schließlich Jimbocho zuordnet, kommen wir doch noch in unser Viertel. Wir haben Hunger. Sushi könnten wir essen. In Deutschland ist dies mit Studentenbudget eher unmöglich, es sei denn, die Mensa macht mal eine Asien-Woche. In Tokio aber, wo vieles teuer ist, sind zumindest die Sushi-Restaurants bezahlbar, doch auch hier müssen wir erstmal eines finden. So fragen wir den Mann im Anzug, der hektisch in ein Taxi springt, die Omi mit den riesigen Einkaufstüten, die vor Arnes blonden Haaren leicht erschreckt, die fünf weiteren Japaner, die nichts verstehen, aber herzlich lachen.
Noch lauter lacht allerdings eine Gruppe Studenten an der Straßenecke, in ihrer Mitte Shinji. Er läuft uns mit breiten Schritten entgegen und versucht zu helfen. Doch finden wir zunächst keine gemeinsame Strasse, so dass wir erstmal eine Zigarette zusammen rauchen. Die anderen gesellen sich zu uns. Durch Zeichensprache entsteht sogar so etwas wie ein Gespräch, und wir finden ein paar Vokabeln, die beide Seiten verstehen: "Backpacker" zum Beispiel, oder "students", "Oliver Kahn" und schließlich auch "Sushi".
Shinji fallen sogar ein paar englische Worte mehr ein, so dass er uns auf seine ganz spezielle Art erklärt, dass er in Tokio Wirtschaft studiert. Er sei auch schon für ein Jahr in Spanien gewesen und fragt uns plötzlich etwas in fließendem Spanisch. Wir schwenken aber lieber wieder auf Japanisch um. Morgen wird Shinji mit dem Rucksack nach Indonesien reisen. Mühevoll erklärt er uns, dass die Japaner das Rucksack-Reisen lieben und er mindestens ein Mal im Jahr den asiatischen Raum bereist. Da ist es wieder - jenes Gefühl, das Reisende miteinander verbindet.
Vor der Reise haben wir zur Einstimmung auf Tokio den Film "Lost in Translation" gesehen, den wir alle ganz toll fanden. Nur stimmt der Titel jetzt nicht mehr. Denn wir kommen uns ganz und gar nicht verloren vor, während wir uns lachend in Zeichensprache unterhalten. Shinji freut sich laut jubelnd über jeden Satz, den alle kapieren, und seine Freunde klatschen euphorisch. Vielleicht ist das die Sprache, die jeder auf der Welt versteht. Und als wir spät nachts vom Sushi-Restaurant auf die Strasse blicken, sind wir endgültig angekommen. In Tokio - der Stadt, die den Unterschied macht.
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