Jahreswechsel in Singapur
Die längste Party der Welt
Im Schmelztiegel der Kulturen wird kaum ein Ereignis strahlender gefeiert als Weihnachten, das als gigantisches "Christmas Light Up" die Fassaden der Millionenmetropole illuminiert. Mit beschaulicher Romantik hat die Inszenierung vor den Toren des Indischen Ozeans allerdings nur wenig zu tun. Mit stoischem Selbstbewusstsein demonstriert das asiatische Börsenzentrum auch zur Weihnachtszeit seine Wirtschaftskraft durch verschwenderische Dekorationen, die nicht die geringsten Bedenken kennt, was den Energieverbrauch angeht.
Klotzen statt kleckern heisst die Devise bei Temperaturen um 30 Grad im Schatten und tropischer Luftfeuchte. Wie elektrifiziertes Lametta fallen die Lichtergirlanden von den Fassaden der grossen Kaufhäuser und Hotels auf Singapurs erster Shopping-Meile, der Orchard Road. In das Gesamtkunstwerk aus High Tech, Kitsch und Romantik fügen sich auf bizarre Weise auch die mit Leuchtkörpern geschmückten Palmen ein, die inmitten sommerlich gekleideter Menschen schneeverhangene Tannenbäume ersetzen.
Wenn das Fest des Schenkens bevorsteht, sind rund um den Globus die Menschen gleich. Bis zur letzten Minute hasten sie durch die Kaufhäuser und Shopping-Meilen, um doch noch zu finden, nach was bisher vergeblich gesucht wurde. Geschäftiges Treiben, wohin man blickt. In den Läden von Singapur geschieht dies jedoch weitaus weniger hektisch als etwa hier zu Lande. Asiatische Freundlichkeit regiert allerorten, es gibt kein Gedränge, und jeder Kunde ist ein König. Disziplin heisst die mit beharrlicher Freundlichkeit verbreitete Devise. Mit einer Prise Freundlichkeit abgeschmeckt, lockt sie Jahr für Jahr rund sieben Millionen Touristen in den Süden der malaiischen Halbinsel. Exzessive Momente gönnt man sich nur in den wenigen Stunden nach Geschäftsschluss, wenn die Nacht den Abend ablöst und die Festivitäten auf den Strassen, in den Lounges und Clubs für einige Augenblicke gefangen nehmen.
Da ist auch Weihnachten ein willkommener Anlass, wenngleich allzu ausgelassene Feiern sich quasi von selbst verbieten. Vielmehr bestimmt der Respekt vor der christlichen Tradition den Habitus der multikulturellen Gesellschaft, die ihre Wurzeln in China, Malaysia sowie Indien hat und doch ihre europäische Prägung nicht verleugnen kann. Schliesslich war es der Brite Stamford Raffles, der im Jahr 1819 als Generalgouverneur der East India Company die ideale Lage des Dorfes Singapura erkannte und den Grundstein für die einzigartige Karriere der damals noch unscheinbaren Siedlung legte.
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