Spanien: Perkussion und Passionsspiele
Die Semana Santa wird vielseitig begangen
Die Karwoche in Spanien zählt in jedem Frühjahr zu den wichtigsten Ereignissen. Die Semana Santa wird vielseitig begangen - vom sonnigen Süden Andalusiens über die mittelalterlichen Städte Aragoniens und Kastiliens bis in den ursprünglichen Norden, wo die Winde und Wellen von Atlantik und Kantabrischem Meer das Leben prägen.
Während in Sevilla, Granada, Málaga oder Córdoba im Süden die Laute der flamenco-ähnlichen Saeta erklingen und zahlreiche Prozessionen die Szene bestimmen, versinken Kastilien und Aragonien für eine Woche im Trommelrausch. Und im baskischen Balmaseda im Norden bereitet sich ein ganzer Ort auf die Darstellung der Passion Christi vor. Am Gründonnerstag und Karfreitag strömen Tausende hierher, um das Spiel der Laienschauspieler zwischen den Fassaden der alten Herrenhäuser, Kirchen und mittelalterlichen Brücken der 800 Jahre alten Stadt mitzuerleben.
Ganz anders sieht es in Aragonien aus. Während in Balmaseda absolutes Schweigen herrscht, ertönen die Trommeln in den Städten und Dörfern dieser Autonomieregion in einem beispiellosen Crescendo. In der Hauptstadt Zaragoza werden mehr als 50 Prozessionen vom ausdauernden Rhythmus der Trommler begleitet. Schon Wochen vor Ostern hört man die Trommeln in den Gassen der Altstadt widerhallen, wenn die Mitglieder der Bruderschaften für das jährliche Ereignis proben.
Punkt 12 Uhr am Karfreitag setzt in Calanda mit dem ersten Glockenklang der Kirche ein unbeschreiblicher Trommelwirbel ein: "Romper la hora" - "die Stunde zerschlagen". Nach zwei Stunden pausenloser Perkussion setzt sich vom Hauptplatz aus eine Prozession in Bewegung mit weit mehr als Tausend Gläubigen, verkleidet als römische Soldaten und Hunderten von Trommlern in violetten Büßerhemden, Kindern und Erwachsenen.
In Kastilien La Mancha findet eine der seltsamsten Prozessionen des Landes statt. "Las Turbas", der Umzug der Aufgebrachten, startet in der Morgendämmerung des Karfreitags in Cuenca. Eine Prozession der Emotionen, in deren Verlauf Jesus beweint und beschimpft wird, so wie es auf dem wirklichen Weg zur Kreuzigung wohl geschehen sein mag.
Ebenso sehenswert: Die Passionsspiele in Oliva de la Frontera. In dem kleinen Ort der Provinz Badajoz in der Extremadura, dem äußersten Westen Spaniens, stellen rund 300 Laienschauspieler seit mehr als 20 Jahren alljährlich die Passion Christi dar. Bei der Tamborada von Hellin in der Provinz Albacete versammeln sich am Gründonnerstag über 20.000 Trommler in ihren schwarzen Tuniken mit roten Tüchern und spielen die ganze Nacht hindurch bis zum Mittag des Karfreitags.
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