Schottland: Das Wasser des Lebens
Das Wort Whisky kommt aus dem Gälischen
Über die Hügel pfeift der Wind, in der Luft liegen Nässe und Nebel. Enge Straßen winden sich nach Dufftown - ein kleines Dorf inmitten der Highlands. In der Luft hängt der Geruch von Kohlefeuer. Im örtlichen Pub sind die kleinen Fenster beschlagen und warmes Licht dringt nach draußen. Drinnen knistert das Feuer und spiegelt sich in einem Glas mit goldenem Whisky.
Das Wort Whisky kommt aus dem Gälischen und bedeutet "Wasser des Lebens". Die Geheimnisse der Whisky-Herstellung brachte St. Patrick bereits 400 nach Christus von Irland nach Schottland. Zu Anfang wurde das goldene Lebenselixier hauptsächlich in Klöstern hergestellt – zu medizinischen Zwecken. Später half die Köstlichkeit armen Bauernfamilien über so manchen trüben Regentag hinweg – und wurde zur kleinen Einnahmequelle. Der schottische Single Malt wird weltweit als einer der besten Whiskys gerühmt.
Versteckt in den Tälern destillieren die Schotten das Lebenswasser. Süße, gemalzte Gerste ist der Grundstoff für klassischen Malt Whisky: Sie wird befeuchtet und keimt - so bildet sich aus der Stärke Malzzucker. Der Reifeprozess wird nach wenigen Tagen durch Trocknung über einem Torffeuer gestoppt. Der Rauch gibt dem Whisky seinen unvergleichlichen Geschmack. Später kommt Hefe dazu, aus dem Zucker wird Alkohol. Diese Brühe wird dann in merkwürdig aussehende Kupferkessel gepumpt. In ihren massigen Bäuchen kocht der Gäransatz. Während des Brennprozesses verflüchtigt sich der Alkohol und schlägt sich in den absteigenden Hälsen nieder. Die Form der Hälse und das Kondensat entscheiden über Stil und Aroma des fertigen Whiskys. Ab in das Fass: Drei Jahre muss der Alkohol mindestens reifen, um Whisky genannt zu werden. Da nur Fässer benutzt werden, in denen schon mal Sherry oder Bourbon gelagert wurden, bekommt das Endprodukt die dunkelgoldene Tönung.
Whiskys aus den vier klassischen Regionen - Lowlands, Islay, Campbeltown und den Highlands - weisen jeweils eine ausgeprägte spezielle Charakteristik auf. Sowohl das verwendete Wasser, Mälzungsart der Gerste, Konstruktion und Beschaffenheit der Kessel, Lagerung und vor allem die geographischen Besonderheiten beeinflussen nachhaltig des fertige Produkt. In Schottland gibt es um die 100 Whisky-Destillen - mindestens eine sollte man besucht haben. Am einfachsten ist dies entlang des Whisky-Trails zwischen Inverness und Aberdeen. Jede der Brennereien produziert individuelle Whiskys - und der Besucher erhält überall "a wee dram", eine kostenlose Probe.
Schottland ist Whiskyland, Dufftown die "World Capital of Malt Whisky". Am Ortsrand liegt die Glenfiddich Destille, die den meistverkauften Malt Whisky der Welt herstellt. Nirgendwo gibt es mehr Brennereien als in dem zur Speyside zählenden Dorf – dort, wo Dullan Water und River Fiddich zusammen fließen. Einmal jährlich im Mai findet hier in den Highlands das "Spirit of Speyside Whisky Festival" statt. Ein altes Sprichwort verkündet: "Rome was built on seven Hills, Dufftown stands on seven stills". Steht Rom auch auf sieben Hügeln, so hat Dufftown sieben Quellen. An jeder steht eine Brennerei: Glenfiddich, Macallen, Glen Grant, The Glenlivet, Aberlour, Mortlach und Glenfarclas.
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