02.05.2006

Die Festivals von Salvador

Extravaganz und Ekstase

Verkäuferin in Salvador
Strassenkarneval in Salvador da Bahía - das sind sechs Tage und Nächte purer Extase, und jeder kann mitmachen! Sicher, man sollte die siedende und pulsierende Extravaganz des Karneval von Rio nicht versäumen. In Bahía trifft man aber auf eine authentischere, offenere und nicht weniger unermüdliche Feier der Vorfastenzeit. Anstelle des ansteckenden Samba-Rhythmus von Rio hört man hier ursprüngliche Musik mit afrikanischen Bezügen, welche die ganze etwa 13 km lange Karnevalstrecke von Ondina bis Pelourinho einnimmt - in einer anderen Prozession erschallt sie entlang der Uferpromenade durch die Innenstadt. Durch die euphorischen Massen treiben die trios eletricos, motorisierte Bühnen mit enormen Schallboxen, und einige von Brasiliens grössten Superstars der Musikszene geben sich die Ehre (viele von ihnen aus Bahia und Umgebung). Die Vorbereitungen zum Karneval beginnen Monate vorher. So können Besucher auch ausserhalb der Saison einiges vom Mythos und der Magie in wöchentlichen Probeaufführungen erleben.
 
Kirchentor mit Brasilianierinnen
Mehr als 20 Festivals und Prozessionen schmücken jährlich den Kalender. Unermüdlich feiern kann besonders, wer im Dezember, Januar oder Februar ankommt. Das Jahr beginnt mit der "Festa de Nosso Senhor dos Navigantes", wenn die Bevölkerung dieser Küstenstadt den Gott der Seefahrer feiert. Es ist eines der beliebtesten Feste in Bahia und hat seine Wurzeln 1750 in Portugal. Silvester wird das Bildnis des Senhor dos Navegantes zur Igreja NS da Conceiçao in die Nähe des Mercado Modelo (Cidade Baixa) geholt. Am Neujahrstag schickt man es in Begleitung vieler Boote in die Bucht hinaus, bei Boa Viagem kommt es wieder an den Strand. Und hier wartet schon eine berauschte Menschenmenge, die in Jahrmarktatmosphäre mit Musik und Tanz feiert.

 

Danach, zur "Lavagem da Igreja do Bonfim" (acht Tage lang, beginnt am zweiten Donnerstag im Januar) hört man afrikanische Hymnen. Die Frauen des Ortes waschen als mães de santo ( "Töchter" des heiligen Oxalá) die Stufen der Kirche von Bonfim. Oxalá ist der Vater aller afrikanischen Götter. Unmengen von Lichtern und Blumen sorgen für eine beeindruckende Ausschmückung und schon die acht Kilometer lange Prozession vom Comercio (Cidade Baixa) zur Bonfimkirche wird zum Volksfest. Wer daran teilnehmen möchte, sollte früh losgehen, um nicht zwischen die ohrenbetäubenden trios eletricos zu geraten.

 

Am 2. Februar wird Iemanjá, die afro-brasilianische Beschützerin und Mutter der See (Gegenstück zur katholischen Jungfrau Maria) mit der "Festa de Iemanjá" geehrt. Bei diesem grössten Fest des Candomblé, der afro-brasilianischen Religion, ziehen die Frauen aus Bahia weiße Spitzenblusen und -röcke an. Auf kleinen Booten schicken sie Opfergaben wie Blumen, Schmuck und Parfüm ins Meer hinaus.

 

Den spirituellen und religiösen Charakter der Candomblé-Zeremonien von Bahia, die aus Afrika stammen, aber rein brasilianisch sind, kann man auch jede Nacht in den nachbarlichen terreiros entdecken, den Versammlungsstätten des Candomblé. Informationen hierüber bekommt man bei der Federação Baiana Do Culto Afro-Brasileiro in der Rua Alfredo do Brito 39 in Pelourinho. Dort erhält man eine Liste aller terreiros und einen Veranstaltungskalender des jeweiligen Monats.

 

Letzte Änderung: 02.05.2006
Medien (diese Seite): ulha
Autor: ulha

Beiträge zu " Salvador da Bahia "

 

Drucken