12.05.2005

Kloster San Romedio im Trentino

Charmantes Juwel

Kloster San Romedio im Trentino
Ein reizvoller Halbtagesausflug vom Südtiroler Unterland oder Überetsch aus ist die Wallfahrtsstätte San Romedio im Nonstal (Valle di Non), nur 20 km vom Mendelpass entfernt. Schauplatz ist eine tiefe Felsschlucht mitten im Wald, das Kloster thront auf einem steilen Felsen, gut 70 m über dem Zusammenfluss zweier Gebirgsbäche.

 

Die Ursprünge der Anlage gehen wahrscheinlich auf das 12. Jahrhundert oder noch etwas früher zurück, und im Laufe der Zeit wurde sie von der Bergspitze ausgehend nach unten hin immer wieder aus- und umgebaut. In ihr finden sich die Stilepochen der Romanik, Gotik und Renaissance, das Älteste zuoberst. Bis zu 250.000 Besucher im Jahr kommen nach San Romedio, und kehren in der klostereigenen Gaststätte ein oder machen den kleinen Souvenirshop unsicher. Trotzdem hat sich das Santuario eine sympathische und einzigartige Atmosphäre erhalten können. Der Volksglaube schreibt dem wundersamen Wirken von Sankt Romedius, dem Einsiedler und Heiligen, der hier gelebt haben soll, besonders die Heilung von bedrohlichen Krankheiten oder die Rettung nach schweren Verkehrsunfällen zu. Als Beweise seiner Kraft zieren Fotos von Autowracks, gehäkelte oder gestickte Danksagungen die Wände, an der Decke hängen einige nicht mehr gebrauchte Krückstöcke der plötzlich Gesundeten. Doch sie scheinen schon recht alt zu sein: sollte der Heilige etwa mittlerweile seine Wirkung eingebüsst haben?

 
Kloster San Romedio im Trentino
Die steile Steintreppe mit ihren 131 Stufen, über die man vom Renaissance-Innenhof mit Loggia aus bis unter das Dach des Klosters gelangt, dient auch als Passionsweg. Bemerkenswert ist die Ausführung der Holzfiguren römischer Legionäre als Mohren. Mit ihren dicken Schnauzbärten gemahnen sie eher an Janitscharen als an römische Soldaten. Verständlich, denn schliesslich war zur Entstehungszeit der Figuren das Osmanische Reich die Hauptgefahr für das christliche Europa. Vom Menschen Romedius selbst ist nicht viel bekannt - und das gehört grösstenteils ins Reich der Legenden. So soll er aus Thaur bei Hall in Tirol aus dem Geschlecht der Grafen von Andechs stammen. Er soll irgendwann zwischen dem 5. und 11. Jahrhundert gelebt und mit zwei Begleitern in der Abgeschiedenheit einer Wohnhöhle gehaust haben, nachdem er sein beträchtliches Vermögen dem Bistum von Trient spendete, was seine Heiligsprechung gefördert haben mag. Diese Höhle befindet sich unter der obersten Kapelle und ist durch ein im Boden eingelassenes Gitter zu sehen.

 

Aber das Wichtigste ist natürlich die Geschichte mit dem Bären - und die geht so: Just als Romedius sein Pferd satteln wollte, um den Bischof von Trient zu besuchen, brach ein wilder Bär aus dem Wald und tötete das Pferd. Der Gottesmann ließ sich aber durch den Zwischenfall keineswegs aus der Ruhe bringen, sondern wartete, bis der Bär satt war. Anschliessend legte er dem Petz Sattel und Zaumzeug an und ritt auf dem Bären von dannen. Der Anblick des ungewöhnlichen Gespanns soll bei der skeptischen Bevölkerung übrigens sehr zur Festigung des Glaubens und zur Autorität des Eremiten beigetragen haben.

 

Was immer die Wirkung eines Bären auf die Menschen des Frühmittelalters gewesen sein mag, heute ist das geräumige Bärengehege am Fusse des Klosters eine Hauptattraktion von San Romedio. Besonders die vielen Kinder sind von dem Braunbärpärchen Chico und Chica hellauf begeistert. Dass sich nicht alle Besucher an das Fütterungsverbot halten, freut natürlich besonders die Bären. Und wenn sie einmal keine Lust auf Menschen haben, ziehen sie sich einfach in ihre Höhle zurück, in der sie auch Winterschlaf halten.

 

Kloster San Romedio im Trentino

 

Die reizvolle Landschaft der Umgebung, mit den ausgedehnten Wäldern auf der Westseite des Mendelkamms zwischen Fondo und Cles, zwischen dem Gampenpass und der Brenta-Gebirgskette laden zu ausgedehnten Wanderungen oder Mountainbike-Touren ein. Besonders schön ist die ausgedehnte Wanderung vom Kloster aus nach Osten, am Ufer des Rio Verdes entlang. Der Weg führt als enge Forststrasse etwa 12 km langsam ansteigend durch dichten Bergwald, immer nahe am Wasser. Bei den Molini di Verdes, Ruinen einer Sägemühle aus vorindustrieller Zeit, verliert sich der Weg beinahe und wird zu einem Schleichweg, der am Ende bis zur Schwarzenspitze und zum über 2116 m hohen Monte Roen am Mendelkamm, hoch über dem Etschtal führt. Hier ist die Aussicht einerseits nach Osten hinunter ins Etschtal und andererseits nach Westen zum Brenta-Gebirge einzigartig! Wer dann noch weiter will, etwa nach Norden zum 1316 m hohen Mendelpass, der muss schon viel Marschfreude und Zeit mitbringen. Öffentliche Verkehrsverbindungen zurück über Ruffrè nach Sanzeno sollten vorher überprüft werden, um nicht auf Per-Anhalter-Glück angewiesen zu sein.

 

Informationen:
Anreise: Über den Mendelpass oder aus Richtung Mezzocorona nach Cles bzw. Sanzeno. Vom Hauptplatz von Sanzeno den Hinweisschildern folgend noch 3,5 km in Richtung San Romedio weiterfahren.

 

Letzte Änderung: 12.05.2005
Medien (diese Seite): tddp
Autor: tddp

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