Brenta-Dolomiten
Die Hütte der Familie Alimonta
"Jetzt sitze ich zum ersten Mal heute", sagt Neni, die Hütten-Mutter, als wir uns zu einem kleinen Interview am späten Nachmittag neben den grossen Ofen in den gemütlichen Gastraum der Hütte setzen. 90 Betten und dazu noch 60 Lagerplätze hat die Hütte und so können schon mal 100 hungrige Bergsteiger auf ihr Abendessen warten. Kein Problem für Anna-Maria Alimonta genannt "Neni", die seit über 30 Jahren mit ihrer Familie die Küche der Hütte bewirtschaftet: Mit frischem Kuchen und Apfelstrudel zu hervorragendem Espresso oder Cappuccino rettet man sich über den Nachmittag zu diversen Pasti und Trentiener Spezialitäten wie die berühmten "Strangolapreti" und natürlich die Polenta am Abend.
Die heimische Küche scheint wie gemacht für den grossen Hunger der Bergsteiger, Wanderer und Kletterer. Das Essen ist selbst gemacht und im besten Sinne einfach und gut. In Mitten einer grandiosen und unwirklichen Felslandschaft hat die Familie die Hütte 1968 gebaut. Sie ist eine der wenigen Hütten in privater Hand. Als Ausgangspunkt für die wichtigsten Gipfel und Wege liegt sie mitten in den Brenta-Dolomiten auf 2600m Höhe. Die beiden wichtigsten Teile der Bochette-Wege, die "Brochette alte" und "Bochette centrali" beginnen und enden jeweils an der Hütte.
Die "Bochette centrali" mit ihren phantastischen Ausblicken rund um den berühmten Campanil Basso ist das grosse Highlight hier und kann von jedem schwindelfreien Wanderer mit Klettersteigausrüstungen bei gutem Wetter problemlos begangen werden. 40 Jahre harte Arbeit stecken in der "Via delle Bocchette", die die gesamte Brenta-Gruppe durchquert und Wanderer aus der ganzen Welt begeistert. Der Weg erschliesst hierbei keinen Gipfel, sondern verbindet und durchquert die Felswände auf schmalen Felsbändern oder Pfaden, immer gut gesichert durch die Stahlseile. In diesem Jahr wird die Hütte gründlich renoviert und umgebaut, wahrscheinlich wird es dann sogar Duschen geben. Die Vorbereitungen und Umbauten sind im vollen Gange und sehr aufwendig, weil alles aus dem Tal mit dem Hubschrauber gebracht werden muss. Die kleine Lastenseilbahn dient nur der Versorgung um trägt kaum mehr als drei Zentner.
Das Wasser macht Emanuel Alimonta, dem Sohn von Neni, die meisten Sorgen. Es kommt aus dem Gletscher unweit der Hütte und der friert im September gerne zu und gibt nichts mehr ab. Wenn sich die Tanks dann leeren muss auch aufs Waschen verzichtet werden. Sein ganzer Stolz ist die neue Zapfanlage, die optimal temperiertes helles Bier liefert. Die Anzahl der Betten wird mit dem Umbau wohl nicht erhöht, eher der Komfort. "Wir wollen schliesslich keinen Autogrill hier machen", sagt Neni und man spürt, dass ihr die familiäre Gastfreundschaft sehr wichtig ist. Und ein wenig Kontrast zur Ruhe der Berge ist der Hüttenbetrieb schon, zumindest hinter den Kulissen, denn nach kaum 10 Minuten wird Neni unruhig und verschwindet in der Küche, wo die Vorbereitungen für das Abendessen in vollen Gang sind.
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