10.08.2009

Montfaucon: Ein Schloss mit drei Ecken

Gegen den Strom schwimmen ist nicht jedermanns Sache

Gegen den Strom schwimmen ist nicht jedermanns Sache. Rodolphe de Pins weiß das nur zu gut. Als junger Winzer beschreitet er neue Wege - und dass in einer der traditionsreichsten Regionen Frankreichs: Der Provence. Im beschaulichen Montfaucon lebt und arbeitet er seine Vision vom etwas anderen Wein.

 

Weinkeller Montfaucon, Frankreich

 

Eigenwillig sind sie, die Mitglieder der Familie de Pins - und das seit unzähligen Generationen. Als weit gereistes Adelsgeschlecht ließen sie sich vor neun Jahrhunderten an der südlichen Rhone nieder und bauten ein Schloss, wie man es hier noch nie gesehen hatte - dreieckig, nach schottischem Vorbild. Nicht nur deshalb fällt es Reisenden auf, die über die Landstraße von Châteauneuf du Pape nach Avignon fahren. Stolz recken sich die Mauern hoch über dem Fluss. "Dahinter steckt viel Arbeit", sagt Burgherr Rodolphe beim Rundgang über die Zinnen. Grandioses Panorama, kilometerweiter Blick.

 
Schloss Montfaucon, Frankreich
Diese Aussicht kann Rodolphe de Pins nicht oft genießen. Denn zumeist ist er im Weinkeller am Fuß des Schlosses am Arbeiten oder auf den hauseigenen Anbaufeldern. Wo noch vor einer Dekade die Traktoren der Genossenschaften fuhren, legt heute der junge Chef des Chateau de Montfaucon selbst Hand an. Bei Wind und Wetter ist er dort anzutreffen, tief gebückt zwischen den flach gewachsenen Reben. "In diesen Trauben steckt so viel Energie", meint der 36-Jährige. Vor rund einem Jahrzehnt hat er mit viel Schweiß und Engagement die lang verschüttete Tradition der de Pins wieder zum Leben erweckt.

Seit 1994 gibt es wieder Rotweine aus dem Schloss hoch über Montfaucon - einen einfachen Vin de Pays für jede Gelegenheit, den "Cote du Rhone" für unterhaltsame Runden und den "Baron Louis" für besondere Stunden. Der, meint Rodolphe de Pins, habe durchaus das Potenzial, ein ganz Großer zu werden. Mit dieser Auffassung steht er nicht allein. Auf der renommierten Weinmesse Foire de Vin d' Orange wurden die Tropfen vom Chateau schon mehrfach mit der Goldmedaille prämiert.

Das Handwerk hat er sich Anfang der Neunzigerjahre in den Top-Weingütern in Australien und den USA angeeignet. Dort lernte Rodolphe de Pins nicht nur Tricks und Techniken kennen, sondern auch die offene Geisteshaltung der Winzer in Übersee schätzen. Nichts ist in Stein gemeißelt und alles kann besser gemacht werden, heißt deren Credo. Mut muss man haben, Althergebrachtes in Frage stellen und neue Wege suchen. Rodolphe de Pins macht genau das. Ob er damit Erfolg hat, muss sich aber noch zeigen. Den langen Atem, die Kreativität und den nötigen Dickkopf bringt er jedenfalls mit.

 

Letzte Änderung: 10.08.2009
Medien (diese Seite): hirs
Autor: hirs

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