19.06.2002
Sightseeing und Nachtleben auf Island
Freitags in Reykjavík
"Reykjavík": das ist für die meisten der entlegene Ort an Ende der Welt, an dem sich vorzugsweise Nato-Aussenminister treffen. Ausserdem Zwischenlandungs-Flughafen auf dem Weg nach New York und Heimat der Pop-Ikone Björk. Punkt. Dabei wäre Islands Hauptstadt durchaus einen Wochenendtrip wert. Denn vor allem ihre kauzigen Einwohner haben einiges zu bieten, was den aufgeschlossenen Weltenbummler in Erstaunen versetzt. Zum Beispiel: das Nachtleben.
Freitagnachts, so um drei, vier Uhr, tummeln sich an die 4.000 Jugendliche, die Mädchen trotz der winterlichen Temperaturen hauptsächlich mit Spaghetti-Träger-Tops bekleidet, auf den Strassen, in den Discos und nicht zuletzt vor den grossen McDonald’s Schnellrestaurants. Noch erstaunlicher: die meisten singen ständig, zum einen Top-Ten-Hits der englischen Hitparade, aber auch altes isländisches Liedgut.
Erstaunlich: nirgends auf der Welt gibt es so viele Sänger und Schriftsteller wie in Island. Vielleicht vertreiben sie damit die Langmut der dunklen Wintertage und die Aufregung der stets taghellen Sommernächte. Mutigen Touristen - schon von weitem an der dicken Gore-Tex-Jacke zu erkennen - bieten also vor allem die langen Freitagnächte die einmalige Chance, Nachtleben und Sightseeing zu vereinen. Denn Sehenswürdigkeiten wie die imposante Basaltkirche Hallgrímskirka oder die riesige Statue von Leif Eiríksson, dem "Entdecker Amerikas" - hier steht die isländische Meinung gegen die landläufige, die Columbus favorisiert - sind natürlich auch, oder besser gesagt vor allem nachts attraktiv.
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