10.08.2009

Quebec: Warten auf den süßen Saft

Einkochen von Ahornsirup

In den Wäldern am Südufer des kanadischen St. Lorenz-Stromes liegt der Schnee zwar noch kniehoch, aber mit jedem Tag scheint die Sonne länger. Die Luft in Quebec schmeckt nach Frühling: Die Zeit zum Feiern und zum Einkochen von Ahornsirup ist gekommen.

 

Quebec: Sirup

 

Mitte März beginnt der Saft im Zuckerahorn-Baum zu fließen. Dann steht in den rund 400 Ahornhainen das "Sugaring Off" an: Das Zapfen und Einkochen des Ahornsirups. 91 Prozent der weltweiten Ahornsirup-Produktion kommen aus der Provinz Quebec. Der klebrige Sirup mit dem leicht rauchigharzigen Geschmack wird seit Jahrhunderten als natürlicher Süßstoff genutzt - ein Bioprodukt im wahrsten Sinne des Wortes. Von den Indianern übernahmen die ersten Siedler Neufrankreichs den Brauch, Zuckerahornbäume einzuritzen und den gewonnenen Saft zu einem goldfarbenen Sirup einzukochen.

 
Quebec: Sirup
Die Ureinwohner Quebecs entdeckten neben der Süße noch eine weitere Eigenschaft des Baumsaftes: Seine heilende Wirkung. Durch die einseitige Ernährung mit Fleisch in der kalten Jahreszeit litten viele Indianer gegen Ende des Winters am "Frühlingsfieber" genannten Skorbut. Im März hatte der Mangel ein Ende wegen des hohen Vitamin C-Anteils im süßen Saft.

Über die Jahrhunderte entstand eine weitverzweigte Industrie. Die durchschnittliche Jahresproduktion beläuft sich heute auf gut 10.000 Tonnen - Ahornsirup für Millionen von Pfannkuchen auf den Frühstückstischen. Bis Ende April herrscht emsiges Treiben in den unzähligen "Zuckerhütten" in den Wäldern. An klaren Frühjahrstagen zapfen die Männer die Bäume an und lassen den Saft in die darunter hängenden Eimer tropfen.

Anschließend werden die vollen Eimer mit dem dünnflüssigen Saft zur Hütte geschleppt und das duftende Elixier in flachen Metallschüsseln eingekocht. Stunden später ist es dann soweit: Sehnsüchtig erwartet von den Kindern, tropft der Vater ein wenig von der klebrigen Masse in den sauberen Schnee vor der Hütte. Im Nu erstarrt der Sirup, ein Stöckchen hineingesteckt - und fertig ist der Ahornsirup-Lutscher.

Manche "Sugar Shacks" sind auf Besucher eingerichtet. Touristen können bei der Produktion zusehen und danach an rohbehauenen Holztischen deftige Quebecer Landkost mit vielen traditionellen Ahornsirup-Gerichten genießen. Wer den Weg in die kanadischen Wälder scheut, kann auf einem der zahlreichen Ahornfeste den Frühlingsbeginn feiern.

 

Letzte Änderung: 10.08.2009
Medien (diese Seite): paba
Autor: paba

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