16.11.2000

Lima - Schönheit im Lumpenkleid

Ungeliebte Hauptstadt

Kathedrale an der Plaza de Mayor in Lima
"Schönheit im Lumpenkleid", so titelt ein viel gelesener deutscher Reiseführer sein Kapitel über Lima, die Hauptstadt Perus. Der Autor des berühmten Romans "Moby Dick", Herman Melville, nannte Lima sogar "die tristeste Stadt der Welt" und so mancher Gast schließt sich dieser Meinung an. Mit den faszinierenden südamerikanischen Metropolen wie Rio, La Paz oder Santiago kann Lima nicht mithalten. Dabei wurde sie im Jahre 1535 als "Siudad de los Reyes", also als Stadt der Könige gegründet. Über Jahrhunderte war sie Hauptstadt des Vizekönigreichs Peru und Sitz der spanischen Vizekönige. Es entstanden Prachtbauden von überwältigender Schönheit, von denen jedoch nur noch wenig übrig geblieben ist. Die schweren Erdbeben in den Jahren 1687 und 1746 sowie der chronische Geldmangel der Stadtverwaltung in den letzten Jahrzehnten haben ihre Spuren hinterlassen. Manches Kleinod kolonialer Architektur hat es aber geschafft, dem Zahn der Zeit zu trotzen und erzählt noch heute von der weißen Herrschaft im Land der Indios.
 
Statue von Pizzaro in Lima
So zum Beispiel die Kathedrale an der Ostseite der Plaza de Mayor oder auch das Franziskaner Kloster San Francisco. Wobei Letzteres eine ganz besondere, wohl einmalige Kunstform zu bieten hat. In seinen Katakomben sind aus menschlichen Knochen und Schädeln arrangierte Ornamente zu bewundern. Hier wurden über 3000 Jahre lang, bis in den Anfang des 19. Jahrhundert hinein, die Überreste von 25 000 Toten bestattet. Die Landflucht aus der Sierra der letzten Jahrzehnte machte Lima zu einem Schmelztiegel der Armut. Etwa jeder dritte Peruaner wohnt heute in der Hauptstadt oder deren Grossraum. Die Hälfte der rund 8 Millionen Einwohner lebt in einer der grossen Elendssiedlungen am Rande der Stadt, von denen viele weder über Wasser- noch über Stromanschluss verfügen. So dominiert die Armut in Lima, einer Stadt, die sich recht wenig von den Reizen ihrer Jugend erhalten konnte.
 

Letzte Änderung: 16.11.2000
Medien (diese Seite): axel
Autor: axel

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