04.07.2000
Norwegen auf Zukunftspfaden
Zwischen Monarchie und EU
Bei zwei Themen lassen die Norweger nicht mit sich spassen - ihrem Königshaus und ihrer Souveränität. Sonst eigentlich sehr verträglich, sollte man bei den Norwegern bei diesen Punkten mit kritischen Bemerkungen zurückhaltend sein. Die meisten Norweger sind Royalisten und lassen auf "ihren" König Harald nichts kommen. Er wird wirklich als einer der "Ihren" angesehen. Bereits sein 1991 verstorbener Vater Olav wurde als würdiger, intelligenter und humorvoller Landesvater sehr geschätzt und verehrt.
Kein Wunder, dass es König Harald anfangs nicht leicht hatte in die übergrossen Fussstapfen seines Vaters zu treten. Auch und vor allem mit der tatkräftigen Unterstützung seiner bürgerliche Frau Sonja und ihrem Charme hat er dies aber bravourös gemeistert.
Die Liebe zum Königshaus bedeutet aber nicht, dass die Norweger keinen Sinn für ihre parlamentarische Demokratie hätten. Regelmässig spricht sich bei Umfragen die übergrosse Mehrheit für ein starkes Parlament aus. Dem König bleibt die Rolle des volksnahen Repräsentanten. Ebenfalls nicht mit sich spassen lassen die Norweger, wenn es um ihre staatliche Souveränität geht. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts errungen, will man sich nicht einfach damit abfinden, diese in den Armen der EU wieder zu verlieren. So haben die Norweger 1994 in einem Referendum sogar den Parlamentsbeschluss zum Beitritt in die EU gekippt.
Eine Entscheidung, zu der die meisten Norweger trotz möglicher wirtschaftlicher und finanzieller Nachteile auch heute noch stehen. Die Norweger haben im Rahmen der EU ganz einfach Angst um ihre Landwirtschaft und die enormen Subventionen, die in die nördlichen Landesteile fliessen. Da die Landflucht der jungen Leute zu einem Problem geworden ist, steckt das Land immense Summen in die dort noch vorhandene Wirtschaft.
Fischfang, Land- und Forstwirtschaft werden unterstützt, um dringend benötigte Arbeitsplätze zu erhalten und neu zu schaffen. Nur so besteht die reale Möglichkeit, die Menschen in diesen schon heute fast menschenleeren Landstrichen zu halten. Das kostet jährlich Milliarden Kronen. Geld, das aus den munter fliessenden Einnahmequellen des Erdöls und –gases stammt, das auf riesigen Ölinseln dem Meeresboden abgetrotzt wird. Damit hängt auch eine weitere EU-Angst der Norweger zusammen. Man befürchtet, und das wohl nicht ganz grundlos, ein Grossteil der Überschüsse aus dem Ölgeschäft würde dann als Subventionen in die ärmeren EU-Länder wie Portugal und Spanien fliessen. Da gründete man lieber selbst einen Zukunftsfond. In dem werden seit Mitte der 90er Jahre Teile des Überschusses angespart, um innovative Industrien für die Zeit nach dem „Ölrausch“ zu unterstützen.