Wintermärchen in New York
Wenn´s kalt wird im Central Park
Nördlich des grössten Sees im Central Park, den die New Yorker sinnigerweise "The Lake" getauft haben, liegt ein kleinerer Teich, der Belvedere-See. Auf einer felsigen Anhöhe erhebt sich dort Belvedere-Castle, das im gleissenden Winterlicht ausschaut wie ein verträumtes Märchenschloss. Die Statue des dänischen Märchendichters Hans Christian Andersen, steht dort einsam und verlassen. Dekoriert mit einer weissen Schneemütze - und weckt Erinnerungen an "Die Prinzessin auf der Erbse" oder "Das hässliche Entlein". Auch das heutige Parkgebiet war einmal ein "hässliches Entlein" - eine unwirtliche Landschaft aus Sumpf, Felsen und einigen Baracken. Erst nach langem Drängen der Bevölkerung hatten die Stadtväter 1856 die grüne Lunge New Yorks genehmigt.
Die Architekten Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux sollten auf 340 Hektar einen Park entwerfen, der doppelt so gross war wie das Fürstentum Monaco. 16 lange Jahre dauerten die Arbeiten am ehrgeizigen Projekt. 1873 wurde der Park den New Yorkern übergeben, und sie lieben ihn seither wie kaum etwas anderes in ihrer Stadt.
Weiter nördlich wechselt die Anlage ihr Antlitz. Hinter dem riesigen Wasserreservoir, das ganz Manhattan mit Trinkwasser versorgt, offenbart sich die Natur ursprünglich und wild. Eingriffe in die Vegetation werden hier auf das Notwendigste beschränkt. Im Vogelschutzgebiet gibt es eine Artenvielfalt, die man an jedem anderen Ort der Erde eher vermuten würde.
Wenn sich auch der winterliche Park nicht eignet, Flora und Fauna zu studieren, so eignet er sich doch bestens, um Zeit und Ruhe zu gewinnen. Wer das atemlose Tempo und die Geschäftigkeit in den Strassenschluchten Manhattans einmal erlebt hat, weiss - hier hat die Stadt endlich einmal keine Zeit. Hier können selbst Märchen wahr werden. Wer heute noch ein "hässliches Entlein" ist, kann schon morgen ein stolzer Schwan sein.
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