01.11.2004

Neuseeland: Weihnachten am Strand

Die Sonne lacht, der Strand lockt

An Weihnachten in Neuseeland Urlaub machen - das bedeutet Sonne, Strand und Grillpartys. Denn jetzt hält auf der anderen Seite des Globus der Sommer Einzug. Bei den Kiwis ist das Fest der Feste vielleicht etwas weniger besinnlich, dafür aber umso fröhlicher.

 

Pohutukawa, Weihnachtsbaum Neuseeland

 

Weder rieselt leise der Schnee, noch liegt irgendwo still und starr ein See. Dafür lacht die Sonne, der Strand lockt, und der Weihnachtsmann kommt erstens in Shorts und zweitens ganz schön ins Schwitzen. Bei den Kiwis ist das Fest der Feste vielleicht etwas weniger besinnlich, dafür aber umso fröhlicher. Und Urlauber können hier zum Jahreswechsel immer mit einem besonders warmen Empfang rechnen - in jeder Hinsicht.

 
Weihnachtsmann Neuseeland
Die Wochen um den Jahreswechsel sind die beste Zeit, um die Neuseeländer von ihrer typischen Seite kennen zu lernen. Für die Einwohner gibt es jetzt nur eins: Raus aus dem Alltag, rein ins Vergnügen. Im Dezember feiern sie mehr Partys als im gesamten übrigen Jahr. Manch ein Dekorateur in Wellington versucht immer noch, mit Kunstschnee etwas winterliche Stimmung in Kaufhäusern und Geschäften zu versprühen. Aber unter der Sommersonne Neuseelands sind viele europäische Weihnachtssymbole längst dahin geschmolzen und haben neue, sinnvollere Formen angenommen. Aus Tradition schmücken die Kiwis ihre Häuser dennoch mit Fichten- oder Pinienzweigen. Kerzen und herkömmlicher Weihnachtsschmuck werden aber zusehends durch bunte Muscheln ersetzt.

 

Anstelle von Tanne oder Fichte haben sich die Neuseeländer auch längst einen eigenen Weihnachtsbaum erkoren: Den knorrigen Pohutukawa. Pünktlich zur Adventszeit entfaltet er seine flammendroten Blüten. Das ist das Signal, dass das Christkind - und die großen Ferien - vor der Tür stehen. Die Kinder hängen jetzt ihre Strümpfe neben den Kamin, damit Saint Nick, wie der Weihnachtsmann hier heißt, sie mit Geschenken füllen kann.

 

Wie in allen angelsächsischen Ländern findet die Bescherung am Morgen des 1. Weihnachtstages statt. Nach dem Kirchgang folgt aber statt eines üppigen Festmahls mit Truthahn und Plumpudding ein fröhliches Barbecue im Garten. Am zweiten Weihnachtstag, dem Boxing-Day, packt ganz Neuseeland den Picknickkorb, um an der jeweils nächstgelegenen Meeresküste ein nationales Grillfest mit anschließendem Kricketspiel zu veranstalten. Dank der Gastfreundschaft der Kiwis dürfte kaum jemand um eine Einladung dazu herumkommen, der in dieser Zeit die Küstenregionen bereist.

 

Als eines von vielen Reisezielen bietet sich im Dezember die paradiesische Bay of Islands auf der Nordinsel an. In diesem von Traumstränden gesäumten Labyrinth aus Inseln, Halbinseln und Landzungen kommen vor allem Wassersportler voll auf ihre Kosten. Bei Bootsausflügen in die Bucht kann man sogar mit Delfinen um die Wette schwimmen. Was Weihnachten betrifft, befindet man sich hier zudem auf historischem Boden. Dort ging am 23. Dezember 1814 der anglikanische Missionar Samuel Marsden an Land. Zwei Tage später feierte er den ersten Weihnachtsgottesdienst im Land der langen, weißen Wolke. Die Ureinwohner dürften sich weniger über die seltsamen Zeremonien des fremden Priesters gewundert haben, als über die noch seltsameren Tiere - Rinder, Schweine und Schafe -, die er mitgebracht hatte.

Dass das Christentum bei den Maoris gut ankam, lag nicht zuletzt daran, dass die Weihnachtszeit genau in ihren Festmonat Hakihea fällt. Dies war bei den frühen Maoris die Zeit, in der die schwere Arbeit des Pflanzens, Jätens und Bewässerns vorüber war, in der es reichlich Fisch und Meeresfrüchte gab und das Leben wieder etwas leichter wurde. Ähnlich wie die Christen den heiligen Nikolaus, verehrten die Ureinwohner die Erdmutter Papatuanuku als Überbringerin vieler guter Gaben. Den christlichen Glauben haben die Maoris ganz pragmatisch an ihre Bedürfnisse angepasst. Seinen bildlichen Ausdruck findet dies etwa in der Kirche St Faith’s in Rotorua. Auf einem großen Kirchenfenster ist dort Christus als Ureinwohner dargestellt. In den Federmantel eines Häuptlings gewandet steigt er vom Himmel herab.

 

Letzte Änderung: 01.11.2004
Medien (diese Seite): caha
Autor: caha

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