03.08.2004

Camel-Team in Neuseeland

Paddeln für Anfänger

Naturbild Neuseeland

 

Das Propellerflugzeug verliert sich völlig im tiefblauen Himmel. Langsam dreht es seine Runden und schwebt in gut 12.000 Fuß Höhe über den schneebedeckten Gipfeln der neuseeländischen Alpen rund um Queenstown. Plötzlich entlässt das Flugzeug seine Fracht. Kleine Punkte schießen wie winzige Bienen auf uns herab, gewinnen rasch an Geschwindigkeit, bis sie abrupt abbremsen und als bunte Farbtupfer langsam Richtung Erde gleiten. Unser Blick wendet sich ab von den Fallschirmspringern, runter zu den Whitewaterraftern, die vor uns einen Fluss herunterpreschen.

 
Rafting in Neuseeland

"Hey Guys, you are scared!" Tina hat unsere weichen Knie genau bemerkt und kann sich ein paar verbale Seitenhiebe nicht verkneifen. Die zierliche Malaysierin verschwindet fast völlig unter ihrem Neoprenanzug und dem viel zu großen, leuchtend gelben Helm, doch ihrem fröhlichen Lächeln kann das nichts anhaben. Sie sieht dem Wildwassertrip ganz gelassen entgegen. Erst wenige Augenblicke zuvor waren wir mit Tina ins Gespräch gekommen. Vor dem Rafting brauchten wir natürlich ein "Echte-Kerle-Foto" inklusive cooler Raftingmontur für ein paar Mädels zuhause in Deutschland. Tina sollte uns knipsen. "Ihr Angeber!", platzt es in Deutsch aus ihr heraus und unser breites Posergrinsen weicht großen Fragezeichen. Eine deutschsprechende Asiatin mitten in Neuseeland?

 

Bevor wir jedoch mehr herausfinden können, holen uns auch schon die Raftingguides ab. Ein Helikopter ist das Lufttaxi zum Startpunkt des Showdowns. Schwirrend hebt er ab und fliegt mit uns im Zick-Zack-Kurs durch den Canyon. Bevor das Ganze für Christians Magen jedoch zu viel wird, landen wir auch schon bei unseren Booten.

 

Rafting in Neuseeland
Ein Crashkurs in Sachen Rafting vermittelt uns in wenigen Minuten, was Kommandos wie "Paddle left!", "To the right!" oder "Hold on!" bedeuten. Während uns bei der Erläuterung der "Oh-Shit!"-Leine, der Notfallsicherung für über Bord gegangene Paddler, kurz doch noch der Gedanke kommt zu kneifen, fangen Tinas Augen immer mehr an zu leuchten. Wir und unsere große Klappe! Doch spätestens, als Christoph die erste Dusche Flusswasser ins Gesicht klatscht und er prustend seinen Helm zurechtrückt, gibt es kein zurück mehr. In der nächsten halben Stunde macht der Fluss mit uns, was er will. Die Corleones schlucken ordentlich Wasser. Irgendwann wird es Arne wohl doch etwas langweilig und er wird übermütig. Schon darf der Teilzeitrafter schwimmen und die "Oh-shit"-Leine segelt durch die Luft. Das kommt davon, wenn man sich nicht richtig festhält!

 

Wenig später sitzen wir zusammen mit Tina vorm Heizlüfter. Nach all der Aufregung sind wir froh Entspannung zu finden. Bei einem heißen Becher Kaffee erzählt uns Tina, wie sie als Kind aus Malaysia weggezogen und in Australien ihre neue Heimat gefunden hat. Deutsch war in der Schule in Melbourne ihre zweite Fremdsprache. Sie und ihr Freund Adrian arbeiten bereits als Zahnärzte in Australien. In Australien beginnt das Studium wesentlich früher - schon mit 17 steigen die Mädchen dort in das Unileben ein. Wann die Uni für uns wieder startet, wollen wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so genau wissen. Und als uns Adrian genau das fragt, weichen wir lieber aus und verabreden uns mit den beiden zum Winterfestival, das heute Abend in Queenstown steigt.

 

Letzte Änderung: 03.08.2004
Medien (diese Seite): ctcb
Autor: ctcb

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