22.09.2003

Namibia ist ein Vielvölkerstaat

Zwischen Südwester und Ovamboland

Kinder in Namibia
Das Städtchen sieht aus wie ein beschauliches deutsches Seebad: gepflegte Parkanlagen, gut erhaltene Jugendstilbauten, ein malerischer, rot- weiss gestreifter Leuchtturm. In den gemütlichen Cafés rund um die kleine Bucht kann man bei Kaffee und Kuchen die Sommerfrische geniessen, in der urigen Hansa-Brauerei wird Frischgezapftes, nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, ausgeschenkt und spätestens nach einem Blick auf den Stadtplan, wo die Kaiser-Wilhelm-Strasse, die Moltke- und die Bismarckstrasse kreuzen, um schliesslich in der Strandstrasse zu enden, bestätigt sich der erste Eindruck.

 

Szenenwechsel: Rund 550 Kilometer weiter nördlich. Vereinzelte Lehmhütten vor einer kargen Steppenlandschaft. Eine Frau sitzt vor dem Eingang ihrer Hütte und flicht mit stoischem Langmut die Haare ihrer Tochter zu einer kunstvollen Frisur. Ihre Kleidung besteht nur aus einer Art Lederschurz, dazu unzählige kupferne Arm- und Halsreifen. Ihre dunkle Haut schimmert in der gleissenden Sonne ockerfarben.

 

Beides ist Namibia. Ob deutsche Lebensart der Südwester, der Nachfahren der deutschen Kolonialherren, in Swakopmund, oder die traditionelle afrikanische Lebensweise der Himba im Kaokoveld, beides beschreibt namibische Kultur. Denn so abwechslungsreich wie die Natur, so facettenreich sind auch die Kulturen dieses einzigartigen Landes.

 

Leuchtturm in Namibia
Die 1,6 Millionen Einwohner Namibias gehören zwölf unterschiedlichen ethnischen Gruppen an. Dies sind so verschiedenartige Völker wie die zum Teil noch heute urzeitlich lebenden Buschmänner; die viehzüchtenden Herero, deren Frauen mit ihren viktorianisch anmutenden Gewändern und dem dreieckigen Kopfputz einem Südstaatenfilm entsprungen sein könnten. Oder die Nama, die zu der Volksgruppe der Hottentotten zählen und deren Sprache ganz eigentümliche Klick-Laute aufweist. Mit 950.000 zählen jedoch die im "Ovamboland" lebenden schwarzafrikanischen Ovambo zu der weitaus grössten Volksgruppe Namibias.

 

Gleichwohl lebt dieses Völkergemisch, im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Staaten, ein friedliches und harmonisches Miteinander. Und so erfährt auch der Besucher - besonders der Deutsche - eine aussergewöhnliche Mischung aus quirligem, buntem Afrika und deutschem "Kulturerbe". Eisbein in der Wüste - ein wohl unvergessliches Erlebnis.

 

Letzte Änderung: 22.09.2003
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

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