15.09.2003

Volubilis - südlichster Außenposten des Römischen Reiches

"Metamorphosen oder Der goldene Esel"

Ruine in Volubilis

 

Die Gründungszeit von Volubilis konnte bis heute nicht bestimmt werden. Die überlieferte Geschichte der bedeutendsten Ruinenstätte Marokkos beginnt mit dem Maurenkönig Yuba II. (25 vor Christus - 23 nach Christus), der mit Kleopatra Selene verheiratet war, der Tochter der berühmten ägyptischen Königin Kleopatra und des Marcus Antonius. Er machte die Stadt zu seiner Hauptstadt.

 
Torbogen in Volubilis

Als Rom 45 nach Christus das Gebiet zur römischen Provinz Mauretania Tingitana ausrief, behielten die Verwalter das blühende Volubilis als Hauptstadt bei. Sie sicherten die Stadt mit einer 2,3 Kilometer langen Mauer mit 40 Bastionen, pflasterten die Strassen und erbauten zahllose Brunnen und Thermen (öffentliche Bäder). 

 

"Die Decke ist künstlich gewölbt, mit Elfenbein und Zitronenholz eingelegt und von goldenen Säulen unterstützt. Getriebene Arbeit von Silber überdeckt alle Wände. Der Fussboden prangt mit den köstlichsten Steinen, kleingeschnitten und von verschiedenen Farben, so meisterlich zusammengestellt, dass sie die vortrefflichsten Gemälde bilden. Oh, zwei- und mehrmals glücklich diejenigen, die das Gold und die Edelsteine mit Füssen treten...".

 

Solchermassen prunkvoll müssen sie sich wohl ausgenommen haben, die Behausungen der Reichen und Vornehmen in der Residenzstadt der Prokuratoren von Mauretania Tingitana im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Mit spitzer Zunge beschreibt der zeitgenössische Dichter Lucius Apuleius in seinem Hauptwerk "Metamorphosen oder der goldene Esel" die pompöse Wohnkultur der Kolonialherren als "Lustwohnungen eines Gottes". 

 

Gemälde in Volubilis
Die gut erhaltenen Ruinen vermitteln noch heute ein beeindruckendes Bild von dem prunkvollen Leben in der römischen Stadt vor zweitausend Jahren. Auf der gepflasterten Hauptstrasse, dem Decumanus Maximus, schreitet man durch das Tanger-Tor vorbei an den Ruinen von Palästen, Brunnen und Thermen, den Resten der Säulenarkaden, die seinerzeit die gesamte Länge der Prachtstrasse säumten, bis hin zum vollständig erhaltenen Triumphbogen, der 217 zu Ehren Kaiser Caracallus errichtet wurde. Berühmt geworden ist Volubilis jedoch durch die unzähligen, hervorragend erhaltenen Bodenmosaike, die einst die prächtigen Villen schmückten und die die Ausgrabungsstätte in ein wahres Freilichtmuseum verwandeln.

 

Den idealen Ausgangspunkt für eine Besichtigung Volubilis bietet das nur 30 Kilometer entfernte Meknès. Und wer noch nicht genug hat von historischen Stätten, dem sei der Besuch der benachbarten Stadt Moulay Idriss empfohlen, der einstmals für Nichtmoslems verbotenen heiligen Stadt des Staatsgründers Moulay Idriss I., in der auch heutzutage noch kein "Andersgläubiger" übernachten darf.

 

Letzte Änderung: 15.09.2003
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

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