14.11.2003

Nordafrikas moderne Monarchie

Fürst aller Gläubigen - der "Emir al Munimin"

Platz in Marokko
Nach der Verfassung vom 04.09.1992 ist Marokko eine konstitutionelle, demokratische und soziale Monarchie. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und geistliches Oberhaupt ist der König - seit Juli 1999, S.M. Mohammed VI., Sohn des verstorbenen König Hassan II. Er ernennt und entlässt die von einem Ministerpräsidenten geführte Regierung, kann das Parlament auflösen und den Ausnahme- Zustand verhängen. Insbesondere aber ist er als "Fürst aller Gläubigen" das Symbol der Einheit zwischen weltlicher und geistlicher Macht, wie sie der Koran islamischen Staaten vorschreibt.

 

Zwar orientiert sich das marokkanische Rechtswesen vorwiegend am französischen Justizsystem, für das Familien- und Erbrecht jedoch gilt islamisches Recht. So ist es einem Mann nach marokkanischem Recht erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten, vorausgesetzt er kann sie alle finanziell gleichgestellt behandeln. 

 
Aber - anders als in vielen islamischen Staaten - müssen auch die Ehefrauen ihre Einwilligung zu einer erneuten Vermählung geben und haben in diesem Falle ein Recht auf Scheidung.
Moschee in Marokko
Es war diese geschickte Politik der Gratwanderung zwischen islamischem Traditionalismus und westlicher Moderne, für die König Hassan II. in der islamischen wie der westlichen Welt ein gleichermassen hohes Ansehen genoss. Ungeachtet dessen warten auf den neuen König Mohammed VI. innenpolitisch viele ungelöste Probleme: Die Masse der Bevölkerung leidet an Armut, die Landwirtschaft mit den völlig veralteten Anbaumethoden ist ineffizient, die Versorgung schlecht, die Jugendarbeitslosigkeit mit 20% sehr hoch und noch immer sind knapp 78% aller Frauen Analphabetinnen.

 

Hinzu kommt die bis jetzt ungeklärte Westsahara-Frage. Das UNO-Referendum über die Unabhängigkeit der von Marokko 1979 annektierten Westsahara ist seit dem Waffenstillstands- Abkommen von 1991 bereits mehrmals verschoben worden. Denn bis heute konnte zwischen der marokkanischen Seite und der Befreiungsbewegung Polisario keine Einigkeit darüber erzielt werden, wer an der Abstimmung teilnehmen soll. Mit dem eingeleiteten Demokratisierungsprozess werden nun auch im eigenen Lande die kritischen Stimmen an der bisherigen Westsahara-Politik Marokkos wieder lauter.

 

Letzte Änderung: 14.11.2003
Medien (diese Seite): kihi, jut
Autor: kihi

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