10.05.2005

Cinque Terre

Die fünf Flecken in Ligurien

Küste an der Cinque Terre
Von den insgesamt 350 Kilometer der ligurischen Riviera ist ein winzig kleiner Teil ganz besonders hervorzuheben: die Cinque Terre, ein gerade mal 10 Kilometer langer Küstenstrich am östlichen Rand der Riviera di Levante, zwischen der Halbinsel von Portovenere bei La Spezia und Levanto.


Die Cinque Terre, übersetzbar etwa mit "Fünf Flecken", ist kein touristischer Geheimtipp mehr - vorallem zu Ostern und während der italienischen Sommerferien im August ist diese Küstenregion beliebt - aber so ist das halt.

 

Sowohl Italiener als auch zahlreiche Ausländer, in der Mehrzahl Deutsche, bevölkern die Orte und die sie verbindenden Wanderwege. Es kann schon mal eng werden, eine Unterkunft vorort und auch in der Umgebung sollte deshalb auch frühzeitig reserviert werden.

 

Die UNESCO hat diesen einzigartigen Küstenstrich vor ein paar Jahren bereits zum Weltkulturerbe erklärt. Das liegt zum einen an seiner landschaftlichen Eigenart, aber auch an der nach logistischen Gesichtspunkten ungünstigen und schwierigen Gestalt des Gebietes. Doch ihr ist es zu verdanken, dass die Cinque Terre bisher weder durch Strassen oder Industrie verschandelt werden konnten. Die Küste ist hier so steil, dass keine Strasse die fünf Orte Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso miteinander direkt verbindet - es fehlt schlicht der Platz dafür. Lediglich die Eisenbahn wurde in langen Tunnels durch den Berg geführt. Sie ist auch heute noch das praktischste Verkehrsmittel in den Cinque Terre. Die Staatsstrasse und die Autobahn verlaufen weit oben in Kammlage und sind nur über steile Stichstrassen erreichbar.

 

Vernazza in Cinque Terre
In den Sommermonaten kann man bei ruhiger See auch mit den regelmässig verkehrenden Ausflugsschiffen mitfahren, die hier mehrmals täglich verkehren. Von See her bietet sich auch der einzige vollständige Überblick auf die Cinque Terre, die mal auf einen steilen Felssporn in der Höhe, mal direkt am Wasser gebaut wurden. Und gleich sieht man: Bauland ist hier sehr wertvoll und Landwirtschaft wird erst durch konsequente Landschaftgestaltung mit kleinteiligen Terrassen möglich.


Eine Zahl kann das verdeutlichen: während der Küstenstrich der Cinque Terre nur ungefähr 10 Kilometer lang ist, wurden im Laufe der Jahrhunderte von den Bauern Trockenmauern und Hangstützen gebaut: unglaubliche 6000 Kilometer insgesamt. Je länger der Strukturwandel und die Landflucht der Dorfjugend anhält, desto mehr verfallen diese berühmten Trockenmauern durch wuchernde Wurzeln und Erdrutsche. Die Tage dieser einmaligen Kulturlandschaft sind somit wohl gezählt.

 

In den Cinque Terre leben die etwa 5000 Einwohner heute vornehmlich vom Tourismus, doch früher war man völlig darauf angewiesen, was man dem kargen Boden an Oliven, Wein und Gemüse abringen konnte. Das Meer bot den Fischern lange ein gewisses Auskommen, doch hat die wirtschaftliche Bedeutung der Fischerei besonders durch den Rückgang der Fischbestände stark abgenommen. Heute spielt das Meer hier eher eine Rolle als natürliche Kulisse für den Tourismus, für Segler und Taucher.

 

Das gesamte Gebiet zwischen La Spezia und Sestri Levante steht unter strengem Naturschutz, inbegriffen ist auch die vorgelagerte Küstenzone, denn hier kommen sogar Korallenbänke vor, eine Seltenheit für Gewässer gemässigter Breiten. Ausserdem ist der gesamte Golf von Genua ein Schutzgebiet für Tümmler und Wale, die sich hier auch in Ruhe vermehren können. Im Jahr 2000 ist das Gebiet der Cinque Terre zum Nationalpark erklärt worden, was zu zusätzlichen Nutzungseinschränkungen für Einheimische und Touristen führte, meistens hielt sich die Freude darüber in Grenzen. Wandern ist die Freizeitbeschäftigung Nummer eins in den Cinque Terre.

 

Je nach Fitness und Alter lassen sich die Routen beliebig kombinieren, die Bahnverbindung schliesst entstandene "Lücken" ohne Probleme. Die Wanderwege müssen die tief eingeschnittenen Täler grosszügig ausschreiten und so kommen trotz der kurzen Distanzen in Luftlinie ansehnliche Strecken zustande. Für Wanderer wurde, wohl wegen des grossen Andrangs, sogar eine Art Kurtaxe als Tagesgebühr von 3 EUR pro Kopf eingeführt. Von den Einnahmen wird das Wegenetz gepflegt und erweitert.

 

Küste in Cinque Terre

 

Der Italienische Alpenverein C.A.I. hat einige Wanderwege angelegt bzw. markiert:

 

Wanderweg Nr. 1:
Von La Foce (242 m) bis Riomaggiore, 3 Stunden Der Weg beginnt an der Strasse nach Castrè, führt nach Carpena und anschliessend durch einen dichten Kastanienwald und über das Joch von La Croce um anschliessend nur noch abzusteigen nach Riomaggiore. Hier kann man Anschluss an die Eisenbahn finden. (C.A.I.)

 

Wanderweg Nr. 2:
Von Riomaggiore nach Monterosso (Sentiero Azzurro, Küstenverlauf), 5 Stunden Es geht am Bahnhof von Riomaggiore los und führt über die sog. Via dell’Amore nach einer halben Stunde nach Manarola. Ein leichter, einstündiger Aufstieg führt nach Corviglia, worauf der Weg flach wird und uns nach weiteren anderthalb Stunden nach Vernazza führt. Hier fängt der längste und auch anspruchsvollste Abschnitt der Wanderung mit einem sehr steilen Anstieg an, der bis 180 m Seehöhe führt. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind hier gefragt. Ein teilweise recht steiler Abstieg führt uns zwei Stunden später nach Monterosso. (C.A.I.)

 

Wanderweg Nr. 3:
Von Biassa (312 m) nach Riomaggiore, 2 Stunden Von der Autobus-Endstelle in Biassa geht es leicht aufwärts durch Kastanienwälder bis zum 516 m hohen Gipfel des Telegrafo. Anschliessend stetig abwärts am Weiler Lemmen und an der Kirche von Montenero vorbei nach Riomaggiore. (C.A.I.)

 

Wanderweg Nr. 7:
Von Riccò del Golfo bis Vernazza, 3 Stunden Der Weg beginnt an der Strasse nach Casella und führt auch in die Ortschaft hinein. Dann geht es leicht abwärts nach Case Fornacchi und San Bernardino und durch Weinreben auf dem Weg Nr. 2 nach Vernazza. (C.A.I.)

 

Wanderweg Nr. 9:
Von Monterosso zum Santuario di Soviore (464 m), 1,5 Stunden Die Wanderung beginnt an der Strasse, die durch den alten Ortskern von Monterosso führt. Bald geht es durch Olivenhaine in die Höhe, vorbei an der Kapelle Santa Maria Maddalena, um im Hof der Kirche von Soviore zu enden. (C.A.I.)

 

Wanderweg Nr. 10:
Von Monterosso nach Punta Mesco, 1 Stunde Es geht am Bahnhof von Monterosso los, der Weg führt oberhalb des Segelclubs vorbei, durch einen Föhrenwald ansteigend. Aus einem Viehweg wird plötzlich eine steile Stiege, die an der Kirche von S. Antonio an der Punta Mesco endet. (C.A.I.)

 

 

Letzte Änderung: 10.05.2005
Medien (diese Seite): tddp
Autor: tddp

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