Sie ist das Juwel unter den Schmuckstücken Marokkos, ein Kleinod von wilder Schönheit: Die Strasse der Kasbahs, jene - fast legendäre - Route, die durch das Land der Berber von Ouarzazate nach Er-Rachidia führt. Ausgehend von Marrakesch, der Stadt der Gärten, windet sich die Strasse vor dem Panorama der von Schnee bedeckten Berge des Hohen Atlas hinauf zum Tizin-Tichka, mit 2.260 Metern Marokkos höchste Passstrasse. Mit jedem Meter wird die Natur karger, scheint sie sich ein Stück mehr ihres grünen Kleides zu entledigen, bis sich nach der letzten Kurve dem Reisenden eine wahrlich unvergleichliche Aussicht bietet: Die grünen Täler und Wälder im Rücken, öffnet sich vor ihm - eingebettet in die grossartige Bergwelt zwischen Hohem Atlas und den Bergen Tiferine, Sagro und Ougnat - das Tal von Ouarzazate und die ausgeglühte, bizarre Landschaft des Anti-Atlas.
Hier beginnt die Strasse der Kasbahs, eine bis vor nicht allzu langer Zeit abgeschiedene Welt von schroffen Gipfeln und Tälern, grünen Fluss- Oasen und Dattelpalmen: die Heimat der Berber und der Haratin. Gesäumt von Hunderten von Kasbahs zieht sich die heute gut ausgebaute, dreihundert Kilometer lange Wüstenroute durch weite Täler, enge Schluchten und von Palmen umgebene Oasen.
Bis zur Befriedung der Berber 1956 dienten diese Kasbahs, wehrhafte, aus gestampftem Lehm gebaute Festungsdörfer, den rivalisierenden Stämmen als Stützpunkt und Zuflucht. Im Kern häufig bis zu vierhundert Jahre alt, folgen sie alle einer wahrscheinlich jahrtausendealten berberischen Bauform: Über einen wuchtigen, zusammengedrängten Gebäudekomplex, oft fünf bis sechs Stockwerke hoch, erheben sich vier, bis zu 20 Meter aufragende Ecktürme, die mit glückbringenden Ornamenten in geometrischen Mustern verziert sind. Gewöhnlich besitzen diese kühnen Fluchtburgen nur eine einzige Eingangstür, durch die man in die untersten Räumlichkeiten gelangt.
Zu den bedeutendsten Bauten zählen die "Kasbah Dar El Glaoui" in Telouet, die Residenz des früheren Paschas von Marrakesch, die Feudal-Kasbah "Skoura", das Festungsdorf "Ait ben Haddou" bei Ouarzazate, das als Weltkulturerbe von der UNESCO unter Denkmalschutz gestellt wurde und mehr als zwanzig Filmen als Kulisse diente und die Kasbahs von Ait Ridi, Imassine und El-Kelaa-des Mgouna.
Von ihrer schönsten Seite zeigt sich die Region übrigens nach der Erntezeit. Mit dem Ende der harten körperlichen Arbeit beginnt für die überaus gastfreundlichen Berber eine Zeit der Ausgelassenheit. Dann werden allerorts Freudenfeste und Hochzeiten gefeiert, ein jeder kleidet sich in seine prächtigsten Gewänder und die Täler sind erfüllt von einer freudigen Stimmung, die der Besucher so bald nicht vergessen wird.