Schloss Nordkirchen im Münsterland
Das Westfälische Versailles
Da hatte er sich etwas vorgenommen, der Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg-Lehnhausen. Fasziniert von den Baudenkmälern in Rom, wo er als Student gelebt hatte, kaufte er im Jahre 1694 die alte Wasserburg Nordkirchen bei Münster und beauftragte seinen Hofarchitekten, Gottfried Laurenz Pictorius, dort nach dem Vorbild des französischen Versailles das weit und breit grösste Wasserschloss zu errichten. Leider verstarb der Bauherr drei Jahre nach der Grundsteinlegung im Jahre 1703.
Der Nachfolger - sein Neffe Ferdinand - und der renommierte westfälische Architekt Josef Conrad Schlaun übernahmen die weitere Ausgestaltung der Anlage. Sie legten Gärten im französischen Stil an und versahen das Schloss mit kostbarster Innenausstattung. Mitte des 19. Jahrhunderts ging das Besitztum zunächst an einen ungarischen Grafen und später an einen deutschen Herzog über. Durch Zu- und Umbauten nahmen die neuen Regenten während dieser Zeit entscheidende Veränderungen an der barocken Umgebung vor. 1958 kaufte das Land Nordrhein Westfalen schliesslich den gesamten Komplex und stellte die 170 Hektar grosse Parkanlage nach alten Plänen wieder her.
Heute ist das Schloss Sitz der Fachhochschule für Finanzen des Landes NRW. Während ein Grossteil der Gebäude zu Lehr- und Wohnräumen umgebaut wurden, kann man sich in einzelnen Gebäudeteilen nach grundlegender Renovierung nun auch innen wieder von dem enormen Repräsentationsbedürfnis des Bauherren überzeugen: Führungen geleiten den Besucher zunächst in die barocke Schlosskapelle, die als das bedeutendste Werk dieser Art im westfälischen Hochbarock gilt. Weiter geht es dann in das herrschaftliche Wohngebäude: Hier wandelt man durch prunkvolle Säle mit reichen Stuckdecken, kostbaren Deckengemälden und seidenen Wandbespannungen.
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