Salvador da Bahía
Pelourinho - Koloniales Herzstück einer afro-brasilianischen Stadt
Pelourinho ist das historische Zentrum von Salvador da Bahía. Hier schlägt das kulturelle Herz einer Stadt, die schon lange für den Reichtum ihres afro-brasilianischen Erbes und die koloniale Geschichte berühmt ist. Nirgends gibt es eine grössere Konzentration an barocken Kirchen, Palästen und Plätzen als an diesem Ort in der Cidade Alta (Oberstadt), und nach der Erneuerung hat auch das kulturelle Leben Bahías hier wieder einen Platz. Der Tourismus hat dem Stadtteil einiges von seinem ursprünglichem Charakter genommen. An Sicherheit hat man hier jedoch in jedem Fall gewonnen.
Die erste Siedlung von Salvador da Bahía entstand in der Cidade Alta auf einer Felsenklippe mit Blick auf das Meer. Der zunächst aus Lehm und Stroh gebaute Ort wurde 1550 zur besseren Verteidigung gegen die Indianer ummauert und es entwickelte sich eine Stadt, die 300 Jahre lang die bedeutendste in ganz Brasilien bleiben sollte.
1763 verlegte man mit dem Verfall der Zuckerindustrie den Sitz der brasilianischen Regierung nach Rio, und erst 1888 wurde in Brasilien die Sklaverei abgeschafft. Die Nachkommen der Ausgebeuteten bewohnten in Pelourinho nun grösstenteils die ehemaligen Herrenhäuser der reichen Händler, Sklavenhalterfamilien und Zuckerbarone. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der Stadtteil ausserdem Heimat für Abkömmlinge von Europäern, die aus Salvador herbei strömten. Doch Salvadors Entwicklung stagnierte während des 19. und 20. Jahrhunderts, und das kulturgeschichtlich bedeutendstes Viertel der Stadt erlitt schliesslich einen totalen Kollaps, versank in Elend und Kriminalität.
Nachdem die Altstadt Salvadors zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde, begann man 1992 mit der Restaurierung von Pelourinho. Es wurde wieder Ziel vieler Poeten und Künstler und zu einem Schaufenster für Kunsthandwerk aus Bahía. In den bunt gestrichenen Gebäuden finden sich heute einige kleine aber interessante Museen, Kunstgalerien, Cafés und Restaurants mit afro-brasilianischer Küche. Unbedingt sehenswert sind vor allem auch die Kirche Nosso Senhor do Bonfirm und das Kloster São Francisco de Assis. Sie gehören zu den aussergewöhnlichsten Bauwerken in ganz Südamerika und stehen um den heutigen Pelourinho-Platz. "Pelourinho" ist übrigens die Bezeichnung für den Schandpfahl zur Bestrafung entlaufener Sklaven - eine der unzähligen Erinnerungen an die historischen und emotionalen Bindungen Salvadors an Afrika und die Sklaverei.
Leider ging eine touristische Erschliessung Pelourinhos nicht ohne die Vertreibung vieler alteingesessener Bewohner vonstatten. Diese wurden in die Favelas ausserhalb des Stadtzentrums verpflanzt. Stattdessen haben ständige Polizeiposten Einzug in die bunte neue Altstadt gehalten.
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