15.09.2003

Meknès - das Versailles Marokkos

Einst die prächtigste unter den Königsstädten

Meknès - das Versailles Marokkos
Meknès, die jüngste der vier Königsstädte, liegt am Rande des Mittleren Atlas in der fruchtbaren Ebene der Flüsse Oued Beth und Oued Sebou. Seit alters her gilt das ertragreiche Hinterland von Meknès als landwirtschaftliches Zentrum von Marokko. In dem mediterran beeinflussten Klima gedeihen Getreide, Oliven sowie eine grosse Zahl von Zitrusfrüchten, ausgedehnte Weinfelder bestimmen das Bild der Landschaft.

 

Bereits im Jahre 1063 errichtete der berühmte Almoraviden-Sultan Jussuf Ben Tachfin nahe einer alten Berbersiedlung die Festung Tagrart. Diese bildet das Zentrum der heutigen Stadt Meknès, die der Sultan nach eben jenem Berberstamm, den Meknassen, benannte. In der nachfolgenden Almohaden-Zeit entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Handelszentrum. Aber erst unter Sultan Moulay Ismail, dem zweiten Souverän der heute noch regierenden Dynastie der Alaouiten, tritt Meknès 1672 aus dem Dunkel in das Licht der Geschichte.

 
Meknès - das Versailles Marokkos
Diesem machtbesessenen, strategisch klugen und überaus grausamen Herrscher gelang es, das zerrissene marokkanische Reich zu einen. Er vertrieb die spanischen Truppen aus El-Araisch und Mehdia, die Engländer aus Tanger und hielt an der Ostgrenze des Landes die Türken in Schach. Meknès wurde die neue Hauptstadt seines Scherifenreiches, die er zu einer zinnengekrönten Festung umbaute. Im Inneren der 40 Kilometer langen, wahrlich zyklopenhaften Schutzmauern liess der prunkliebende Sultan über 50 Paläste erbauen und sogar einen künstlichen See anlegen, der Schiffe aufnehmen konnte.

 

 
Umgebung Meknès


Ein grossen Teil des Palastgebietes nahm der Harem ein: Über 500 Frauen aller Couleur und Abstammung verbrachten hier ihre Zeit im Müssiggang, nur in der Erwartung, die Gelüste ihres Herren zu befriedigen. Die abenteuerliche Anzahl von siebenhundert Jungen und eine unbestimmte Zahl Mädchen soll Moulay Ismail in den 55 Jahren seiner Regentschaft gezeugt haben. Doch Meknès war nur eine kurze Blütezeit beschieden. Nach dem Tode Moulay Ismails 1727 verlegten seine Nachfolger ihre Hauptstädte wieder zurück nach Fés und Marrakesch. In der Folge zerfielen die prachtvollen Palastanlagen oder wurden zerstört. Was von ihnen übrigblieb, erlag dem grossen Erdbeben von 1755, das gleichfalls Lissabon zerstörte. Standgehalten haben jedoch die gigantischen Mauern und monumentalen Tore, darunter das Bab el Mansour, das mächtigste und wohl auch schönste Tor Marokkos.

 

Letzte Änderung: 15.09.2003
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

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