04.03.2004

Der Philae Tempel - Heiligtum der Göttin Isis am Assuan-Staudamm

Von der Insel Philae zur Insel Gelkia

Ausflugsboot auf dem Nil
Isis, die Gemahlin des Osiris war vermutlich die bekannteste und beliebteste Göttin der an Göttern und Gottheiten so reichen ägyptischen Mythologie. Für die alten Ägypter war sie "Die Mutter der ganzen Natur, die Herrin aller Elemente, Anfang und Ursprung der Jahrhunderte, die oberste Gottheit, die Königin der Toten, die erste unter den Bewohnern des Himmels...".

 

Der Osiris-Legende nach wird ihr Gemahl Osiris von seinem neidvollen Bruder Seth heimtückisch ermordet und sein Leichnam in vierzehn Stücke gerissen, die er weit über Ägypten verstreut. Die verzweifelte Isis sucht die Leichenteile, weiht sie und begräbt sie. Später empfängt sie von ihrem toten Gatten einen Sohn, Horus. Diesen zieht sie alleine in den Sümpfen von Chemmis auf, später kämpft Horus als Nachfolger seines Vaters Osiris gegen Seth, den er besiegt. So wird Isis zur Schutzherrin aller Kinder und steigt auf zur Universalgöttin, in der Wesensmerkmale vieler anderer Gottheiten aufgehen.

 

Auf der idyllischen Insel Philae, südlich von Assuan, wo Isis das Herz ihres Gatten Osiris fand, errichtete ihr König Ptolemäus II (285 - 246 vor Christus) einen Tempel, der bald zum einem der Hauptheiligtümer der Isis in Ägypten wurde. Erst unter der Regentschaft von Justinian (527 - 565 nach Christus) wurde der Tempel geschlossen und in eine christliche Kirche umgewandelt.

 

Wandgemälte im Tempel der Isis

Als 1902 der erste Assuan-Staudamm errichtet wurde, wurde auch die kleine Insel, die "Perle" Ägyptens, regelmäßig in den Monaten Dezember bis August überflutet. Nur in den drei wasserarmen Monaten ab September tauchte sie und mit ihr der Tempel - völlig vegetationslos und verschlammt - wieder aus den Fluten auf. Nach der letzten Erhöhung des Dammes 1934 versank sie jedoch für die nächsten dreißig Jahre endgültig in den Wassern des Nils und nur der höchste Pylon des Philae Tempels ragte noch über die Wasseroberfläche.

 

Mit dem Bau des Sadd el Ali, des Assuan High Dammes, 1960, erklangen erstmalig Überlegungen, den Tempel zu versetzen: Bei dem zu erwartenden Anstieg des Wasserspiegels wäre das Bauwerk für die Nachwelt andernfalls verloren gegangen. So begannen 1977 die ersten Baumaßnahmen, in deren Verlauf man die Tempelbauten von 20.000 Tonnen Nilschlamm reinigte und in 47.000 Einzelteile zerlegte. Die Tempelbauten wurden auf der 500 Meter entfernten und höher gelegenen Insel Gelkia originalgetreu wieder aufgebaut und die Besucher können heute die "Perle" Ägyptens wieder so bewundern wie Amilia Edwards, die 1873 schrieb "...mit ihren Palmen, ihren Kolonnaden und ihren Pylonen entsteigt die Insel einem Wunder gleich dem Wasser..."

 

Tempel der Isis in Ägypten
 

Letzte Änderung: 04.03.2004
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

Drucken