14.05.2002

Das königliche Lalibela

Ein Kulturschatz in den Felsen

Lalibela
Lalibela - inmitten der gewaltigen Gebirgszüge des äthiopischen Hochlandes, umgeben von zerklüfteten Gipfeln, abgeschieden und isoliert von allem weltlichen Geschehen, scheint hier die Zeit stillzustehen. Wie vor Hunderten von Jahren treiben die Viehhirten ihre Ziegen und Rinder durch die engen Gassen des mittelalterlich anmutenden Dorfes, sitzen die greisen Alten debattierend unter den wenigen schattigen Bäumen, trocknen die Leprakranken ihre offenen Gliedmaßen in der Sonne. Rauch dringt aus den vielen kleinen Hütten, neben denen getrocknete Kuhfladen in der Sonne dörren und ein Stückchen weiter dreschen Männer Korn.

 

Nicht viel anders muss es im 12. Jahrhundert hier zugegangen sein, zur Zeit König Lalibelas, des berühmtesten Herrschers der Zagwe Dynastie, die knapp dreihundert Jahre lang die Geschicke Äthiopiens bestimmte. Der Legende nach wurde Lalibela, der jüngere Bruder des regierenden Königs, kurz nach seiner Geburt von einem Schwarm Bienen beschützt. Seine Mutter, die darin ein Zeichen seiner zukünftigen Herrscherrolle sah, nannte in daraufhin Lalibela, "den, den die Bienen als Herrscher erkannten!".

 

Sein Bruder, der König, soll daraufhin versucht haben ihn zu vergiften, was ihm jedoch misslang. Lalibela, statt zu sterben, fiel in einen tiefen, dreitägigen Schlaf. Während dieses Schlafes führte ihn ein Engel gen Himmel, zeigte ihm dort eine Stadt, deren Kirchen in den Fels gehauen waren und wies ihn an, diese auf Erden nachzubilden. So geschah es, dass König Lalibela nach seiner Krönung die bekanntesten und geschicktesten Handwerker und Künstler der damaligen Zeit um sich sammelte und sie mit der Nachbildung eben jener Kirchen, die ihm im Traum erschienen waren, beauftragte. Auf diese Weise sollen der Legende nach, die inzwischen weltberühmten Steinkirchen von Lalibela entstanden sein.

 

Steinkirche von Lalibela
Quellen zufolge, waren zeitweise knapp 40.000 Menschen mit dem Bau der insgesamt dreizehn Kirchen beschäftigt, wobei zwei unterschiedliche Konstruktionsweisen angewandt wurden. Die Kirchen der östlichen Gruppe, darunter die Kirche des Heiligen Georg, wurden vollständig aus dem Fels herausgeschlagen. Es entstanden so freistehende Kirchen mit kleinen Vorplätzen, Monolithen, von allen vier Seiten von Fels umschlossen und durch ein ausgeklügeltes Graben- und Tunnelsystem miteinander verbunden. Die zweite Gruppe wurde - etwas weniger spektakulär - in bereits existierende Höhlen oder Felsspalten geschlagen.

 

Trotz all dieser Attraktionen aber, ist Lalibela der wohl untouristischste Touristenort, den man sich vorstellen kann. Nach wie vor sind die Kirchen in erster Linie das, was sie seit bereits 800 Jahren darstellen: das geistige Zentrum eines tief religiösen Dorfes.

 

Letzte Änderung: 14.05.2002
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

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