14.04.2004

Dêr el-Bahri - Tempel

Grabanlage der Superlative

Dêr el-Bahri - Tempel, Ägypten

 

Sie war unbestritten eine der eigenwilligsten und schillerndsten Persönlichkeiten in der Geschichte Ägyptens: Hatschepsut, die Tochter Thutmosis I und der Amose, war eine der wenigen weiblichen Regenten der Ägypter. Nach dem Tod ihres Vaters heiratete Hatschepsut ihren Stiefbruder Thutmosis II, der so zum Nachfolger Thutmosis I wurde. So sehr sie ihren Vater verehrte, so wenig achtete sie ihren Mann, der nach nur wenigen Jahren der Regentschaft frühzeitig verstarb. Auf einer Darstellung an ihrem Tempel-Obelisken in Karnak lässt sie sich sogar symbolisch noch einmal krönen, ein zu jener Zeit von allen Seiten verstandener Affront gegen ihren Gemahl, mit dem sie zur Thronbesteigung bereits gekrönt worden war.

 
Relief-Bild
Ihr Totentempel, der Dêr el-Bahri, in einem Tal unweit des Tals der Könige, ist eine der schönsten und elegantesten Tempelanlagen Ägyptens. Er wurde vollständig aus dem Fels herausgearbeitet und führt in drei Terrassen, die durch sanft ansteigende Rampen miteinander verbunden sind, in das Allerheiligste, das Sanktuar. Leider ist das Sanktuar sowie der Säulensaal davor stark zerstört und schon seit längerer Zeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

 

In der südlichen Halle der zweiten Terrasse erzählen grossartige Reliefs in allen Einzelheiten von einer Handelsexpedition, die die Königin in das sagenhafte Land Punt sandte. Die Bilder sind derart wirklichkeitsgetreu, dass man anhand einer hier dargestellten Fischart den geographischen Standort des Landes Punt feststellen konnte.

 

Selbst eine seltene Krankheit, an der die Fürstin von Punt litt, konnte man anhand der Bilder eindeutig diagnostizieren. Viele Geschichten ranken sich um die Person der Hatschepsut, dieser ungemein energischen und zielstrebigen Frau.

 

Relief-Bild

Die romantischste Erzählung ist sicherlich die ihrer Beziehung zu Senmut, ihrem Chefarchitekten und Mentor ihrer Tochter, dem wir den Bau des Dêr el-Bahri Tempels verdanken. Ihm erteilte Hatschepsut auch das Privileg, sein Grab in ihrer unmittelbaren Nähe, auf der ersten Terrasse des Tempels errichten zu lassen.

 

Senmut selber verewigte sich in dem Tempel auf seine Art: Er liess an versteckten Stellen sein Porträt anbringen - und wer heute im Sanktuar genau hinsieht, dem wird der Architekt aus seinem Reliefbild, hinter der einstigen Tür hockend, listig zuzwinkern.

 

Letzte Änderung: 14.04.2004
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

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