12.05.2003

Bewegte Geschichte Gambias

Ein Land im Fluss

Senegambische Atlantikküste
Die kreisförmig angeordneten Steinmonumente am Nordufer des Gambia River markieren für das 8 Jh. v. Chr. die frühesten Siedlungsspuren in Gambia. Bereits in der Ära des Mali-Reiches, des im 12. Jh. von Moussa Keita gegründeten Königreiches der Malinke, besiedeln Clans der Mandingo das Gambia-Tal. Die einflussreichsten Clans beherrschen nach dem Zusammenbruch des Mali-Reiches den Binnenhandel in der Flussregion und bauen mehrere Kleinstaaten auf. Bis ins 19. Jh. hinein bewahren sich die mächtigsten Mandingo-Clans ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss. 

 

Die Geschichte von Gambia ist geprägt von seinen kolonialen Beherrschern und dem Sklavenhandel. Im 15./16. Jh. errichten Portugiesen erste Handelsstützpunkte an der senegambischen Atlantikküste. Die Region Senegambia gerät später unter den Einfluß der Franzosen und Engländer. Der Sklavenhandel und die koloniale Unterdrückung nehmen zu. Im Vertrag von Versailles (1783) wird England der Gambia River mit der Niederlassung Bathurst (heute Banjul) zugesprochen. Im frühen 19. Jh. beginnt sich ein entschiedener Widerstand gegen die europäische Kolonialherrschaft zu formieren.

 

Das Londoner Parlament verbietet 1807 den Sklavenhandel in den Überseebesitzungen. 1884 wird auf der Berliner Kongo-Konferenz der afrikanische Kontinent von den Kolonialmächten in "Einflussgebiete" aufgeteilt. England erhält seine Besitzungen in Gambia. Fünf Jahre später werden die bis heute gültigen Staatsgrenzen zwischen dem frankophonen Senegal und Gambia festgelegt.

 

Gambia - River
Erste allgemeine Wahlen finden 1960 statt, bei denen Dawda Kairaba Jawara von der Protectorate`s People`s Party zum gambischen Staatspräsidenten gewählt wird. Gambia erhält als selbständiges Mitglied des britischen Commonwealth volle innere Autonomie. Am 18.2.1965 bekommt Gambia seine politische Unabhängigkeit. Jawara wird als Premierminister Regierungschef. Nach einer Volksabstimmung am 24.4.1970 wird in Gambia die Republik ausgerufen.

 

Jawara, 1966 in den britischen Adelsstand erhoben, wird erster gambischer Staatspräsident. 1971 gibt die gambische Zentralbank eine Währung heraus, den Dalasi. Bathurst wird in Banjul umbenannt. 1976 gründet sich die erste große gambische Oppositionspartei, die National Convention Party. 1981 kommt es während einer Auslandsreise Jawaras zu einem - angeblich vom libyschen Geheimdienst gesteuerten - Putsch der linksradikalen Opposition. Nach fünf Tagen schlägt das senegalesische Militär den Putsch nieder. In offiziellen Quellen werden 500 Tote angegeben. Der nach dem Putsch verhängte Ausnahmezustand gilt bis 1985. Am 1.2.1982 tritt die Senegambia- Konföderation in Kraft, die 1989 wieder aufgelöst wird. Ein bilateraler Freundschaftsvertrag wird 1991 mit dem Senegal geschlossen. Am 22.7.1994 löst der 29jährige Armee-Leutnant Yahyah Jammeh den Staatspräsidenten Jawara durch einen unblutigen Putsch ab und zwingt ihn ins Exil. Jammeh beginnt das Erbe der 30jährigen Jawara-Regentschaft aufzuräumen. Ein "neues Gambia" soll entstehen, in dem für Korruption und hemmungslose Vetternwirtschaft, für Mißwirtschaft und Tribalismus kein Platz mehr ist. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

 

Banknote Gambia
 

Letzte Änderung: 12.05.2003
Medien (diese Seite): somr
Autor: somr

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