Auf dem Peloponnes
Der Geist Olympias
Obwohl im heiligen Bezirk nicht viele Steine aufeinander stehen, scheint Ordnung zu herrschen. Um den gigantischen Zeustempel liegen mannshohe Säulentrommeln. Und dennoch: Hier, wo einst eines der sieben Weltwunder, die Zeusstatue des Phidias, thronte, scheint alles Sinn zu haben, strahlt Struktur aus. Von hier aus wird das olympische Feuer in die Welt getragen und mit ihm die Hoffnung auf Frieden und Völkerverständigung.
Ganz anders der moderne Ort gleichen Namens. Ein kleiner Ort, dieses Olympia, überschaubar, fest verbunden wie an einer Nabelschnur mit dem Grabungsgelände. 800.000 Menschen schwappen jedes Jahr durch die touristischen Schleusen Olympias, damit kommen rechnerisch auf jeden Einwohner jährlich rund 40 volle Reisebusse. Einer dieser Einwohner ist Apostolis. Er arbeitet für eines der zahlreichen lokalen Touristik-Unternehmen und betreut Reisegruppen aus aller Welt. Dementsprechend hat er in all den Jahren Münzen aus aller Besucher Länder gesammelt - Trinkgeld für den sympathischen Hellenen.
Schon der zweite war Verlierer. So gesehen, gab es durchaus Bewegung im Olympischen Gedanken, steht doch direkt am Stadion der Gedenkstein für den Gründer der Spiele der Neuzeit, Baron Pierre de Coubertin: "Dabei sein ist alles."
Im antiken Olympia herrscht Frieden, zumindest, wenn die meisten Besucher sich zurück gezogen haben. Und da ist er wieder, der geheimnisvolle Windhauch, der über das Gelände weht. Denn Olympia ist mehr als eine heilige Sportstätte, eine Touristenattraktion oder eine altertumswissenschaftliche Sensation. Wenn das antike Athen als die Hauptstadt der Demokratie gelten kann, steht das alte Olympia für Einheit und Frieden. So wie sich vor vielen Jahrhunderten regelmäßig Menschen aus der gesamten griechischen Welt hier trafen, um sich untereinander zu messen. Und in dieser Zeit ruhten die Waffen.
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