02.12.2004

Im Land des Champagners

Unbeschreiblicher Genuss

Château du Faucon in Donchery, Region Champagne-Ardennes
Obwohl hier das vielleicht berühmteste Getränk der Welt produziert wird, fehlt es an der gebührenden Anerkennung - meinen die Einheimischen. Stiefmütterlich werde man behandelt von Reisenden, die meist ohne Halt durch die dünn besiedelte Region im Herzen Frankreichs auf dem Weg nach Paris, zum Atlantik oder ans Mittelmeer hasten. Dabei hat die Region Champagne-Ardennes einiges zu bieten. Das Schicksal, Transitprovinz zu sein, hat lange Tradition. Schon immer marodierten Armeen und Räuberbanden die Gegend. Wehrkirchen zeugen von den schlechten Erfahrungen der spätmittelalterlichen Bevölkerung. Sie sind wie in L'Eglise Saint Remi von Aouste so gebaut, dass jeweils das gesamte Dorf Schutz vor Plünderern finden konnte. Über dem Eingang: Ein Vorbau, von dem aus Eindringlinge mit kochendem Wasser begossen werden konnten. Heute finden in dem Gotteshaus nur noch sporadisch Messen statt, es ist meistens verschlossen. Für eine Besichtigung klingelt man einfach bei der älteren Dame gegenüber. Sie hat den Schlüssel. 
 

Am besten bucht man ein Wochenende in einem der zum Hotel umgebauten ländlichen Schlösser, zum Beispiel im Château du Faucon in Donchery. Hier lässt es sich abseits viel befahrener Strassen zu günstigen Preisen hochherrschaftlich nächtigen, speisen und auf einem gutmütigen Pferd traben. Keines der 18 Zimmer gleicht dem anderen: Eines durchwirkt mit Damast, das andere plüschig-rosa gepolstert, andere prahlen mit dem Charme einer herzoglichen Bettstatt. Allseits herrscht nachts auch bei offenem Fenster himmlische Ruhe.

 

Küche Château du Faucon in Donchery, Region Champagne-Ardennes

Die Küche hat nur Bestes zu bieten. Als Gegenleistung braucht der Gast nur zweierlei: Zeit und Appetit. Der kommt mit der frischen Luft und den Aktivitäten: Reiten, Tennis spielen, spazieren im nahen Wald. Oder nach einer ausgiebigen Surftour im Web, denn das Château beherbergt einen Multimedia-Schulungsraum mit Internet-Anschluss. Der Kellner kredenzt feinsten Champagner. Zum Beispiel einen Millesime aus dem Hause Remy Massin in Côte des Bar. Dann streichelt der erste Gang den Gaumen: Scholle in Champagnersosse. Dazu Weißwein, ein Montravel, Jahrgang 1997. Anschliessend gibt es Kaninchenschenkel mit ganzen Knoblauchzehen, in Olivenöl geschwenkt - ein Genuss. Das Gefühl für den Rhythmus der französischen Küche stellt sich schon bald ein. Am Nachbartisch zeigt ein altes englisches Ehepaar, wie es geht. Sie haben es gelernt, trotz aller Genüsse gepflegt hungrig zu sein. Engländer kommen gerne hierher. Meistens ältere. Dabei eignen sich die Landhotels hervorragend auch als vorübergehendes Zuhause für Familien mit Kindern. Kein gefährlicher Verkehr, kein Rummel, viel Natur und Tiere.

 

Zum Dessert folgt eine Vanille-Mousse mit feiner Süsse und sanftem Aroma von Trauben. Krönender Abschluss: Auf einem schweren Eichenbrett servierte Käsevielfalt der Region, die den Magen schliesst. Der Abend ist perfekt, der Alltag weit entfernt. Ebenso die Sprachprobleme. Nach einem Menü wie diesem sind auch die gegessen.

 

Letzte Änderung: 02.12.2004
Medien (diese Seite): anwl
Autor: anwl

Drucken