04.10.2004

Die südliche Rhone ist ein Paradies für Weinkenner

Der Sommelier der Sommeliers

Cristophe Tassan, Sommelier Frankreich
Die südliche Rhone ist ein Paradies für Weinkenner: Ausgezeichnete Tropfen, einladende Weingüter und sympathische Menschen, die viel vom Rebensaft verstehen. Wie Christophe Tassan etwa, der Sommelier der Sommeliers. Die Liste seiner Auszeichnungen ist beeindruckend. 1988 durfte er sich zweitbester Jung-Sommelier Frankreichs nennen, vier Jahre später wurde er bester Sommelier der Provence-Cote d'Azur, seit 2000 ist er Maitre Sommelier. Jetzt hat Christophe Tassan den Gipfel erreicht, hoch dekoriert verließ er den Elysee-Palast - als Meilleur Ouvrier de France en Sommellerie.

Der Weg zu diesem hoch angesehenen und vom Staat Frankreich alle drei Jahre auf Lebenszeit verliehenen Titel ist lang und schwer. Um in den Vorausscheidungen und schließlich im Finale zu bestehen, bedarf es nicht nur profunden Weinwissens, sondern auch langer Erfahrung auf diesem weiten Feld. Und da kann Christophe Tassan einiges vorweisen. 1981, gerade einmal 19 Jahre jung, sammelte der heute 42-jährige seine ersten Erfahrungen im elterlichen und mit einem Michelin-Stern bedachten Restaurant "Auberge de France" unweit des berühmten Papstpalastes von Avignon.

Ende der Achtziger übernahmen er und seine beiden Brüder das Haus und führten es gemeinsam bis 2001. Dann trennten sich die Wege. Christophe nutzte die frei gewordene Zeit und widmete sich intensiver als je zuvor der Erweiterung des eigenen Horizonts. Insbesondere unterstützte er seinen Freund Jerome Bressy auf dessen hochgelobtem Weingut "Gourt de Mautens" in Rasteau und baute bei der Weinernte sein Wissen über Rebschnitt, Ernte und Vinification aus.

 
Weinstöcke, Frankreich Provence

 

Wer es zum Sommelier der Sommeliers schafft, für den lohnt sich der Aufwand schon bald. Der Freiberufler kann sich derzeit über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Seit Anfang Juni berät er das traditionsreiche Hotel-Restaurant "Fines Roches" in Châteauneuf du Pape, um es wieder auf Sterneniveau zu bringen. Auch für die raren Weine von Boutique-Winzer und Grenache-Freak Henri Bonneau aus dem gleichen Ort ist er die erste Anlaufstelle. Daneben vertritt er eine bekannte Glassmanufaktur und doziert seit einigen Jahren als "Professeur" an der renommierten Weinuniversität von Suze-la-Rousse. Hier unterrichtet er ein bis zwei Mal die Woche in den Fächern "Degustation" und "Oliven", letzteres seine neuste Passion.

Vor vier Jahren erwarb er in Nyons, dem Heimatort seiner Eltern, zwei Hektar unwegsames Gelände in den Bergen, das er terrassenartig anlegte und mit Olivenbäumen bepflanzte. Seine erste Ernte mit knapp 200 Litern feinstem Öl war schnell ausverkauft. Nyons ist nicht nur für das außergewöhnlich gute Olivenöl bekannt, sondern auch für seine Trüffel. Dank seines Spürhundes Stinky konnte er sich in der vergangenen Saison über mehr als zwei Kilo Trüffel aus einem kleinen Eichenhain freuen. Die aber wurden nicht verkauft, sondern zusammen mit seiner amerikanischen Freundin Caroline, einer PR-Direktorin in Diensten von Remy-Martin Paris, im gemeinsamen Haus in Villeneuve-les-Avignon zubereitet. Denn auch am Herd brilliert er als talentierter Koch mit mannigfaltigen Ideen.

Im letzten Jahr war Christophe Tassan seit langen Jahren mal wieder in Deutschland und besuchte ausgewählte Weingüter wie Schlossgut Diel, Keller in Flörsheim-Dalsheim und Weil in Kiedrich. Die trockenen und edelsüßen Rieslinge beeindruckten ihn sehr. Auch die Spätburgunder wurden mit großem Respekt degustiert. Bei dieser Gelegenheit frischte er die Verbindung zu Dirk Würtz auf, dem Organisator des vielbeachteten Rheinhessen-Gourmet-Festivals. Im kommenden Jahr zur neuerlichen Auflage des Festivals mit Gästen von der Rhône soll der Sommelier die großen Weine seiner Heimat vorstellen.

 

Letzte Änderung: 04.10.2004
Medien (diese Seite): hwn
Autor: augu

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