02.05.2000

Jerusalem - die Heilige Stadt

Bühne der Weltgeschichte

Felsendom in Jerusalem
Jerusalem, die Heilige, die Stadt Davids, von den Juden Yerushalim, von den Mohammedanern El Kuds genannt, ist eine aussergewöhnliche Stadt. In ihrer 4.000 Jahre währenden Geschichte wurde sie ungezählte Male erobert, verwüstet und zerstört, hernach wieder aufgebaut, um abermals verwüstet und zerstört zu werden. Ägypter, Babylonier, Griechen, Römer, Perser, Muselmanen, Christen, Mamelucken und Türken, sie alle herrschten über Jerusalem und haben die Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist: ein Gemisch der Völker und Religionen, Sammelsurium von alten Häusern, Palästen, Kirchen, Synagogen, Moscheen und Klöstern, durchzogen von mittelalterlichen Gassen und überdachten Bazaren - eine Schaubühne der Geschichte.

 

Für einen Grossteil der Menschheit ist Jerusalem vor allem aber eine heilige Stadt. Denn hier haben der jüdische, der christliche und der muslimische Glauben ihren Ursprung: Auf dem Hügel Morijah, dem Tempelberg im heutigen Altstadtbezirk, sollte einst Abraham, der Stammvater der drei Religionen, seinen Sohn Isaak opfern. Auf eben jenem Fels errichtete König David 1.000 vor Christus einen Altar für die Bundeslade, um den sein Sohn Salomon später den ersten heiligen Tempel anlegte.

 

587 vor Christus wurde dieser von Nebukadnezar zerstört, später durch Herodes wieder aufgebaut und 70 nach Christus durch Titus bereits wieder zerstört. Nur ein Teil der Stützmauern blieb erhalten und erlangte als West- oder Klagemauer Weltruhm. Während der fast zweitausend Jahre währenden Diaspora richteten Juden aus allen Teilen der Welt ihr Gesicht im Gebet zur Mauer, in der Hoffnung, eines Tages dorthin zurückkehren zu können. An dieser wichtigsten religiösen Stätte des Judentums herrscht heute ein reges Kommen und Gehen, Tausende von Juden verrichten hier täglich ihre Gebete.

 

Klagemauer in Jerusalem
Dahinter, auf dem Hügel Morijah erhebt sich, an jener Stelle, wo einst der Prophet Mohammed mit seinem Pferd zu einer Reise in Himmel aufgestiegen sein soll, der Felsendom, nach Mekka und Medina die drittheiligste Stätte der Moslems. Der 687 nach Christus durch den Omaijadenkalif Abd el Mail erbaute Dom zählt zu den ältesten und schönsten islamischen Bauwerken der Erde.

 

Nur wenige hundert Meter weiter nördlich führt die Via Dolorosa - die Strasse der Schmerzen, auf der Jesu sein Kreuz zur Hinrichtung auf den Hügel Golgatha getragen haben soll, zur Grabeskirche, dem heiligsten Ort des Christentums. 331 nach Christus soll hier Helena, die Mutter Konstantin des Grossen, das Grab Christi und die Kreuze von Jesus und den beiden Räubern gefunden haben. Kaiser Konstantin liess daraufhin alle Felsblöcke auf dem Hügel Golgatha entfernen, bis auf das Grab Christi und jenen, auf dem das Kreuz gestanden haben soll. Das Grab ist heute unter fünf Glaubensgemeinschaften aufgeteilt: der Römisch-Katholischen, der Griechisch-Orthodoxen, der Armenischen, der Koptischen und der Syrisch-Orthodoxen. Bezeichnenderweise wird das Amt des Torwächters innerhalb einer muslimischen Familie vererbt, damit keine der christlichen Konkurrenzreligionen die andere aus der heiligen Stätte ausschliessen kann.

 

Jerusalem Via Dolorosa - die Straße der Schmerzen
 

Letzte Änderung: 02.05.2000
Medien (diese Seite): kihi
Autor: kihi

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