24.01.2005

Zigarre statt Zuckerrohr

Im blauen Dunst von Kuba

Zigarrenproduktion
Zigarren muss man geniessen. "Und zwar nach allen Regeln der Kunst", sagte einst Zigarrennarr Zino Davidoff in den blauen Dunst. Sie solle nicht in hektischen Augenblicken zügig weggeraucht, sondern in Stunden der Musse und Anregung gepafft werden. "Der blaue Rauch, dem das Auge gern nachsieht, stimmt versöhnlich", beschrieb Bismarck seine Leidenschaft. Die derzeit eine Renaissance erlebt. In Clubs, Restaurants, Lounges und der guten Stube wird wieder gepafft wie einst in Churchills Arbeitszimmer.

 

Aber nicht Opas Stumpen, sondern feine Importware von der ehemaligen Zuckerrohrinsel Kuba, der Dom. Republik, Honduras, Indonesien oder Brasilien ist gefragt. Nobelhotels veranstalten für Geniesser "Smoker Dinners" oder "Cigar nights", wo zu edlen Menüs passende Rauchgenüsse die einzelnen Gänge abschliessen.Vor knisternden Kaminen treffen sich Frauen und Männer und schmauchen um die Wette. Die Königin unter den Zigarren ist unübertroffen die Havanna, was auf die aussergewöhnliche Qualität des kubanischen Tabaks zurückzuführen ist.

 

Zigarrendrehrinnen auf Cuba
111 Arbeitsschritte sind notwendig bis die Edelstumpen ihren Huldiger finden, von der Aussaat der Pflanzen bis sie in ein aus Zedernholz gefertigtes Kästchen kommen und darin wie guter Wein reifen können. Und kein Kunstwerk geht durch so viele Hände wie die Zigarre, nur um sich schliesslich in Rauch aufzulösen. Das Zigarrendrehen kann vor Ort verfolgt werden. In der Tabakfabrik Francisco in Pinar del Rio sitzen überwiegend Frauen und rollen auf Mangobrettern (nicht, wie der Legende nach behauptet, auf den Schenkeln kubanischer Jungfrauen) die Cohibas, Montecristos und Upmanns. Die Tische sind über und über mit Tabakblättern bedeckt. Zärtlich streicht die Zigarrendreherin ein Tabakblatt auseinander, um dann den Rand des Blattes mit einem breiten Messer zu einem Halbkreis zu schneiden. Dann drückt sie in der Hand drei trockene Tabakblätter zusammen, rollt diese fest in das Umblatt, schlägt darum das schmiegsame Deckblatt aus dem die Mittelrippe entfernt wurde und formt auf dem Arbeitsbrett eine Rolle. Unterschiedliche Blattarten ergeben, zusammen eingerollt, die richtige Mischung für Geschmack und Brennfähigkeit. Um den Beruf des Torcedores oder Cigareras, wie die weiblichen Zigarrendreher auf Kuba genannt werden, ausüben zu können, braucht man viel Fingerfertigkeit und lange Übung. Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts sitzt zur Unterhaltung der Torcedores in jeder Galera ein Vorleser, der aus den Werken berühmter Schriftsteller oder der Zeitung liest.

 

In der kubanischen Hauptstadt Havanna besitzt Alberto Mendoza, einen reich bestückten Zigarrenladen. Zwischen 37 Sorten vermittelt er den echten Rauchgenuss. Hier herrscht ein strenges Zeremoniell. Mit verchromten Zigarrenscheren wird das schwere Geschoss geköpft, aber nicht zu gross, nicht zu klein, gerade so, dass die Zigarre gut zieht. Denn sie wird nicht wie eine schnellebige Zigarette inhaliert, sondern ihr Rauch durch Mund und Nase gerollt. Die dicken Dampfer werden auch nicht wie ihre dünnen Verwandten lieblos im Aschenbecher abgeknickt oder ausgedrückt, sondern abgelegt, und zwar dann, wenn die Glut die Bauchbinde erreicht hat. Oder auch schon eher.

 

Auch Kanzler Schröder geht die echte Cohiba über alles, schon bevor er 1996 als Ministerpräsident Niedersachsens nach Kuba reiste und von Staatschef Castro eine geschenkt bekam. Mittlerweile tun ihm das tausende Zigarren-Touristen nach - auch wenn sie ohne staatsmännische Aufmerksamkeit die Plantagen und Fabriken besichtigen. Eine Reise zur Quelle dieses Phänomens gibt Einblick in den Prozess des Tabakanbaus, der Herstellung und Kontrolle der Qualität, bis zum fertigen Produkt für den Handel. Die günstigsten Bedingungen für die empfindlichen Tabakpflanzen bieten die Schwemmlandböden entlang der Flüsse bei Pinar del Río mit dem verträumten Dorf Vinales im Westen Kubas.

 

Tabakanbau auf Cuba

 

In felsigen Erhöhungen mit steil abfallenden Berghängen wachsen in den fruchtbaren grünen Tälern die Pflanzen heran, die im März geerntet werden. Die Blätter werden an Stangen befestigt und zum Trocknen aufgehängt, nach Grösse und Farbe sortiert und immer wieder befeuchtet, um sie geschmeidiger zu machen. Die Zusammensetzung des Bodens, wie er in der kubanischen Region Pinar del Rio, vorhanden ist, das jahrhundertalte Wissen der Pflücker, Fermentierer, Sortierer, Entripper und schliesslich Wickler ist das Geheimnis der guten Zigarre. Ein kubanisches Sprichwort sagt: "Den Tabak kannst du nicht einfach pflanzen, den musst du heiraten." So hat jeder Pflanzer seine über Generationen überlieferten Familienrezepte.

 

Die Liste der glühenden Verehrer ist lang und vereint Staatsmänner, wie Revolutionäre, Komponisten und Schauspieler. Dass diese Leidenschaft der Gesundheit schade, wehrt der Inhaber des Zigarrenladens entschieden ab. "Der blaue Dunst fördert das Wohlbefinden und damit ein langes Leben." Winston Churchill, der 90 Jahre alt wurde und über 300 000 Havannas gepafft haben soll, hat es vorgemacht.

 

Allgemeine Auskunft gibt das Kubanische Fremdenverkehrsamt:
An der Hauptwache 7, 60313 Frankfurt, Telefon: 069 - 2883 22/23, Fax: (069) 296664;
Internet:  www.cubainfo.de.

 

Der Zigarrenladen des Managers Alberto Mendoza liegt im ersten Stock des 1998 eröffneten Hotels "Hostal Conde de Villanueva", Mercaderes No. 202 Ecke Lamparilla, Habana Vieja, Tel. 62 92 93, 62 96 82.

 

Letzte Änderung: 24.01.2005
Medien (diese Seite): hdln
Autor: hdln

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