Nuwara Eliya - höchstgelegene Stadt Sri Lankas
Britisches Kolonialstädchen im Bergland
Heiss brennt die Sonne vom Himmel, als wir auf den Bus nach Nurelia - Kurzform von Nuwara Eliya - der höchstgelegen Stadt Sri Lankas warten. Während die Passagiere einsteigen, werden Kisten und Kästen auf dem Dach festgezurrt. Die Fahrt geht durch kleine Dörfer. In den Werkstätten sitzen Töpfer an ihren Drehscheiben, fertigen Schüsseln und Krüge. Schmiede hämmern auf rotglühendes Metall. Büffel ziehen gleichmütig den Pflug in den Reisfeldern, während der Bauer durch den tiefen Schlamm hinterherwatet.
Die schmale Strasse schlängelt sich immer weiter bergauf. Nach Stunden über Stock und Stein kommen wir in eine andere Welt. Es wird kühler und beginnt zu regnen, Nebelschwaden ziehen über die Hügel, zwingen den Fahrer zur langsamen Weiterfahrt. Keine Spur mehr von einer Tropeninsel. Es ist kühl, ja fast schon kalt. Aber es herrscht auch hier das typische ceylonesische Leben. Männer unterhalten sich, kauen dabei ihre Betelnuss. Die Autos, Ochsenkarren und Tuk-Tuks bahnen sich lärmend ihren Weg. Der Markt könnte auch irgendwo zu Hause sein. Es stapeln sich Möhren, rote Beete und Äpfel. Gladiolen und Dahlien werden zum Kauf angeboten.
Das kühle Klima hatte auch die Engländer angelockt, die Nurelia damals zu ihrer Sommerresidenz machten. Hier bauten sie ihre Landhäuser, die genau so in England standen. Fachwerk mit gepflegten Vorgärten und kurzgeschorenem Rasen. Einige der ehemaligen Villen sind jetzt Nobelhotels. Karmine, Standuhren, Möbel, alles very British! Nach einer Runde Golf, trifft man sich zum Dinner im Hill Club, aber bitte mit Jacket und Krawatte.
Aber Nurelia ist nicht nur ein Stück englische Kolonialgeschichte, hier dreht sich alles um den Tee. Soweit das Auge reicht - Teebüsche. Der Teestrauch fühlt sich in dem feucht-kühlen Bergland besonders wohl und bringt Jahr für Jahr Spitzenqualitäten hervor. Eigentlich sind die Teeplantagen aus der Not geboren. Hier standen früher Kaffeesträucher, bis eine Pilzkrankheit die Sträucher vernichtete und die Plantagenbesitzer ruinierte. Vor 160 Jahren begann das Experiment mit dem Tee, der heute eine der wichtigsten Einnahmequellen Sri Lankas ist.
Zwischen den sattgrünen Teesträuchern leuchten die bunten Saris der Teepflückerinnen. Teepflücken ist Frauensache, die Männer kontrollieren, teilen ein. Die Knospe und zwei Blätter, und dass für Stunden. Was so malerisch aussieht, ist schlecht bezahlte Schufterei. Auf den schmalen Wegen zwischen den Teesträuchern schleppen die Frauen ihre Körbe voller Teeblätter zur Wiegestation. Von dort geht es weiter zur Teefabrik. Hier erfolgt die Weiterverarbeitung: trocknen, fermentieren, sortieren und verpacken. Eben schien noch die Sonne, jetzt prasselt der Regen. Im aufsteigenden Nebel sieht die Landschaft mystisch aus. Der Regen tropft von den Dächern, den Bäumen und Bäumen. Das englische Schloss nahe den Horton Plains wirkt gespenstisch. Von Land´s End geht der Blick über dichten Wald bis zum Meer. Wasserfälle stürzen in tiefe Schluchten, und in den Bäumen kreischen Affenhorden. Hier entspringen die grossen Flüsse der Insel, die dann im Tiefland die Reisfelder bewässern. Während der Rückfahrt verschwindet diese interessante und so gegensätzliche Seite Sri Lankas wieder hinter einem Schleier aus Regen und Nebel.
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