26.06.2000

Der Tourismus auf Usedom

Die Badewanne Berlins

Sonnenuntergang auf Usedom

 

Schon vor dem 1. Weltkrieg kamen vornehme Damen und Herren nach Heringsdorf, Bansin, Zinnowitz und Ahlbeck zum Baden. Die meisten Gäste kamen aus Berlin. Ahlbeck bekam den Namen „Badewanne Berlins“. 1945 wurde Usedom geteilt und das grösste Seebad Swinemünde fiel an Polen. Die vertriebenen Menschen aus Swinemünde lebten nunmehr in den Hotels und Pensionen und fern waren die Gäste aus Berlin. Die DDR machte Usedom zum Ferienparadies der Mitglieder des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB).

 

Im Jahr 1953 wurden Besitzer von Hotels unter dem Decknamen „Aktion Rose“ gezielt enteignet. Man warf ihnen „Wirtschaftsvergehen“ vor. Die Häuser wurden DDR-Ministerien zugeschoben. Im Sommer platzte die Insel aus allen Nähten. Vermietet wurde, was nur ging und man nahm jegliche „Herberge“ dankbar an. Während dieser Zeit entstanden die zahlreichen Campingplätze, die eine Alternative zu den mit Wartezeiten verbundenen Betriebsferienplätzen boten. Einzelne Betonblöcke verschandelten die Schönheit der alten Seebäder.

 

Boot auf Usedom
Die Strände waren übervoll und selbstkonstruierte Sonnenschutzanlagen machten die Tage am Meer erträglich. Es war untersagt, mit Booten auf der Ostsee zu segeln, da Fluchtgefahr bestand. Die Inseln Greifswalder Oie und Ruden wurden von Grenztruppen besetzt.

 

Mit der Wiedervereinigung kam erst einmal Ruhe über die Insel, von der man jahrzehntelang nur geschöpft hatte, deren Strassen zerstört und deren Häuser grau geworden waren. Die Karten wurden neu vermischt. In lang andauernden Prozessen wurden die Eigentumsverhältnisse geklärt. Langsam wandelte sich das Gesicht der Insel. Die heissbegehrten Strandvillen wurden saniert und umgebaut. Die Promenaden wurden erneuert, die Ostseebäder Zinnowitz, Bansin, Koserow und Heringsdorf bekamen neue Seebrücken und Dorferneuerungsprogramme liessen vergessene Gemeinden neu aufblühen. Alte, inseltypische Häuser konnten vor dem Verfall bewahrt werden und strahlen heute in neuem Glanz.

 

Während um 1900 die Häuser am Wasser aus Kostengründen mit dem selbstgeschnittenen Schilfrohr gedeckt wurden, ist die Reetdachdeckung heute eine kostspielige Angelegenheit. Früher wurde das Wissen um das Reetdachdecken von Generation zu Generation weitergegeben, heute bezahlt man den Fachmann teuer. Auf Wander- und Radwegen kann man gut die Insel erkunden. Naturlehrpfade weisen auf seltene Tier- und Pflanzenarten hin. Auf der Ostsee treiben Segelboote, und Ausflugsdampfer schnaufen vor der Küste. Heute, wo die Welt dem Reisenden offensteht, ist Tourismus auf Usedom kein Selbstverständnis mehr. Man ist bemüht, den neuen Ansprüchen zu entsprechen und gleichzeitig die Natürlichkeit des Landes zu bewahren.

 

Letzte Änderung: 26.06.2000
Medien (diese Seite): yvbi
Autor: yvbi

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