Der Nordosten Brasiliens
Brasiliens Wiege
Idealer Startpunkt für die Reise ist Salvador da Bahía, mystische Hauptstadt Bahias und spirituelles Zentrum der afro-brasilianischen Religion Candomblé. Direkt vor den Toren der Kapitale liegt an der Todos os Santos Bucht die Ilha de Itaparica. Sie gehört zu den schönsten Inseln an der brasilianischen Küste. Nach einer 40-minütigen Überfahrt erwarten den Sonnenhungrigen palmengesäumte Sandstrände, windgeschützte Buchten und azurblaues Meer. Auch mit dem Mietrad kann man sich den geeigneten Platz suchen - wie etwa den Barra Grande Strand. Von hier schaut man über die Bucht zur Stadt. Für die 840 km lange Strecke von Salvador nach Recife nimmt man am besten den Wagen. Die traumhafte Küstenstrecke führt durch viele verschlafene Dörfer. Wer unterwegs in Aracaju übernachtet, Kapitale des Bundesstaats Sergipe, kann in Ausflügen die Kolonialstädte São Cristóvão oder Laranjeiras besuchen. Weiter nach Norden grenzt der Bundesstaat Alagoas an. Mit dem Tourismusboom wurden die Strände der Hauptstadt Maceió in den letzten Jahren in Windeseile erschlossen. Die Atmosphäre ist immer noch sehr entspannt und auch das kleine historische Gebiet im Geschäftsviertel macht den Ort zu einem durchaus lohnenden Ziel.
Kunsthandwerk kauft man in der "Casa da Cultura", dem ehemaligen Stadtgefängnis, oder im Stadtteil São José. Die ausladenden Eisenkonstruktionen sind Nachbildungen der legendären Markthallen von Paris. Südamerikanisches Zentrum für die Kunst der Keramikfigurinen ist die zwei Stunden entfernte Stadt Carucaru. Etwas weiter südlich, in Palhetas und Gaibu, liegen die schönsten Strände der Region. Surfern sei der Ort Porto de Galhinas empfohlen.
Nur sieben Kilometer von der Millionenmetropole Recife entfernt trifft man auf ein wahres Kleinod brasilianischer Stadtbaukunst: Olinda. In dieser Stadt finden sich stille, von weißen Mauern beschützte Gärten, gemütliche Plätze mit hohen, Schatten spendenden Bäumen und freundliche, pastellfarbene Fassaden, vor denen lärmende Kinder spielen. Auch Benediktiner, Franziskaner, Jesuiten und Karmeliter ließen sich hier nieder, kümmerten sich um das Seelenheil der Indianer und den wachsenden Reichtum ihrer Orden. Gegen 1640 hielten kurzzeitig die Holländer das Zepter in der Hand, plünderten die Klöster und Kirchen und zündeten sie an. Nach etlichen Schlachten ergaben sie sich jedoch 1654, und die portugiesischen Zuckerbarone nebst Gefolgschaft sowie auch die Mönche bauten sich die Stadt nach ihrem Gusto wieder auf.
Am Praça do Carmo steht die 1588 erbaute älteste Karmeliterkirche Brasiliens. Von hier führt ein Weg hinauf zum Franziskanerkloster Convento de São Francisco - nicht nur in Brasilien das am schönsten gelegene Kloster. Aus erhabener Höhe blickt man über die Dächer der Stadt auf das unendlich blaue Meer. Im Kloster selbst zeigen herrliche Azulejos Lebensstationen des Heiligen Franziskus, es gibt wunderschöne Deckenmalereien und einen reich mit Gold überzogenen Altar. Ganz sicher ist Olinda einer der Höhepunkte der Brasilienreise. Knapp 100 km westlich gelangt man in eine karge Wüstenlandschaft: den Sertão. Und mitten in diesem trostlosen Territorium erblickt man plötzlich das gewaltige Mauerwerk der Stadt Fazenda Nova. Sie ist berühmt für ihren verkleinerten Nachbau von Jerusalem zu Zeiten Christi, genannt Nova Jerusalem. Während der Karwoche stellen hier einige hundert Laiendarsteller die Passion nach und erfüllen die vermeintlich historischen Gassen mit Leben.
Etwa 525 km von Recife entfernt - und von dort auch täglich mit dem Flugzeug zu erreichen - liegt das Mini-Archipel Fernando de Noronha. Der aus 21 Inseln bestehende Meeresnationalpark hat eine Gesamtfläche von nur 26 qkm - ein Paradies für Unterwassersportler, das selbst Vergleichen mit den Galapagosinseln standhält. Seit Jahrhunderten tummeln sich hier auch Hunderte Delfine, die vom Boot oder von der Bucht aus beobachtet werden können. Die Zahl der zugelassenen Besucher ist jedoch begrenzt, es empfiehlt sich daher eine Vorab-Buchung. 350 km weiter nördlich liegt Natal, die Hauptstadt des Bundesstaats Rio Grande do Norte. Entlang der Küste türmen sich fast 40 m hohe Sanddünen. Zu den schönsten Stränden gehört der Genipabu, und nicht nur Wassersportler kommen hier auf ihre Kosten. Liebhaber von Extremsportarten können hier Dünenabfahrtski fahren - alternativ lassen sich die Sandhügel mit dem Buggy bezwingen. Am besten überlässt man das Steuer einem erfahrenen Bugueiro. Diese Fahrer sind zugleich Fremdenführer, und gerne demonstrieren sie den Insassen Stunts wie "Achterbahn" oder Teufelskessel". Sie chauffieren die Gäste aber auch zu versteckten Lagunen und auf Strandparties.
Wer auch den Norden Brasiliens besuchen möchte, kann die nun folgenden 2.000 km von Natal nach Belém bequem mit dem Flieger zurücklegen. Alternativ besucht man im Bundesstaat Ceará noch einige schöne Strände oder in Piauí den Nationalpark Serra da Capivara. Hier werden viele prähistorische Stätten und Felszeichnungen geschützt, und seit 1991 gehört er zum UNESCO Weltkulturerbe. São Luis ist die Hauptstadt von Maranhão. Ein Zwischenstopp lohnt sich hier u.a. wegen des Forts Saint Louis, 1612 von den Franzosen errichtet. Diese Stadt ist wie ein kleines Salvador - sinnlich und von tropischer Schwüle umhüllt.
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