16.09.2003

Das Weltwunder auf Trinidad

Schwarzes Gold der Karibik

La Brea Pitch Lake - Teersee in Trinidad
Kein Wasser im See, sondern Teer - das ist aussergewöhnlich. Der La Brea Pitch Lake im Süden Trinidads ist so Aufsehen erregend, dass man ihn auf der Karibikinsel auch als achtes Weltwunder bezeichnet. Das Wunder erstreckt sich über etwa 41 Hektar, was 80 Fussballfeldern entspricht. In der Mitte ist der See beinahe 80 Meter tief, voll mit dem schwarzen Gold - für die Einheimischen Segen und Fluch zugleich.

 

Der Legende nach entstand der La Brea Pitch Lake als Strafe der Götter. An der Stelle soll früher ein Dorf gestanden haben. Bei einem Fest fingen die Bewohner Kolibris, assen sie und schmückten sich mit den Federn. Die Vögel waren der Sage nach jedoch die Geister ihrer Vorfahren. Aus Zorn, die Ahnen nicht geachtet zu haben, versenkten die Götter das Dorf im Teer. Nach einer anderen Sage ist der Stammesführer von La Brea für die riesigen Teervorkommen verantwortlich. Der Häuptling wollte seine Tochter Callifora zurückgewinnen und fiel deshalb in das Dorf Cumana ihres Liebhabers ein. Der Tochterraub missfiel dem geflügelten Arawak-Gott dermassen, dass er das Dorf der Brea unter einer riesigen Teermasse begrub.

 

Wie auch immer der La Brea Pitch Lake nun wirklich entstanden sein mag - fest steht, dass man schon lange von der Götterstrafe profitiert. Bereits im 17. Jahrhundert ordnete der spanische König an, in La Brea eine Raffinerie zu bauen, um den Teer nach Spanien zu verschiffen. 1797 fiel Trinidad an die Briten, die aus dem Teer noch mehr Kapital schlagen wollten. Verschiedene Versuche scheiterten, den Rohstoff als Brennmittel für Dampfschiffe zu verwenden. Dennoch gewann der Export in alle Welt immer mehr an Bedeutung. 1845 wurde die erste asphaltierte Strasse in Paris fertig gestellt. Der Bedarf an Teer in Europa wurde immer grösser, ebenso der Bedarf an Arbeitern. Denn die Förderung des schwarzen Goldes war mühevoll und langwierig. Heute werden aus dem Reservoir von schätzungsweise acht Millionen Tonnen Teer täglich etwa 220 Tonnen gefördert. Zu den grössten Importeuren zählen die Vereinigten Staaten, Japan, Grossbritannien und Deutschland.

 

Längst ist der Pitch Lake ein interessantes Ausflugsziel. Der See ist begehbar, Autos allerdings würden innerhalb weniger Minuten darin versinken. Zum Teil ist die Oberfläche mit einer zähen Schicht überzogen. Man nennt sie "elephant skin" - Elefantenhaut. Die Mitte, "Mother of the Lake" genannt, ist dagegen so flüssig, dass sogar die aufsteigenden Gase der Teerblase zu erkennen sind. Auf geheimnisvolle Art und Weise erschien 1928 für einige Wochen ein riesiger Baumstamm aus den Tiefen des Teeres. Sein Alter wurde auf 4.000 Jahre geschätzt. Auch Überreste von Fischen und Muscheln findet man von Zeit zu Zeit. Der La Brea Pitch Lake hat auch gesundheitlich einiges zu bieten. Zarte Babyhaut - man glaubt es kaum - verspricht der Teer. Speziell angelegte Mulden mit austretenden Schwefelgasen sollen Quell der Schönheit sein.

 

Letzte Änderung: 16.09.2003
Medien (diese Seite): haes
Autor: haes

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