04.07.2002
Blankenese
Idyll an der Elbe
Blankenese-Besucher schwärmen vom südländischen Flair dieses Örtchens. Das liegt an der einmaligen Kulisse - und seinem besonderen Licht. Die letzte Eiszeit meinte es besonders gut mit diesem Fleckchen Erde vor den Toren Hamburgs: Sie schob ihre Grundmoränen bis zum Elbtal vor und hinterließ am Rand des Geestrückens einige pittoreske Hügel, die ziemlich steil zum Flussufer abfallen. Die exponierte Stelle fand schnell Liebhaber: Blankenese wurde wichtiger Fährort und Fischerei-Zentrum. Der erste Beleg datiert aus dem Jahr 1301. An den einladenden Hängen von Mühlenberg, Kiekeberg und Süllberg siedelten sich Fischer, Kapitäne, Lotsen und Schiffbauer an. Sie schufen ein so freundliches Ambiente, dass sie bald andere nach sich zogen. Schon vor 200 Jahren als Blankenese noch dänisch war, kamen die ersten schöngeistigen Handelsherren aus Hamburg und errichteten hier standesgemäße Landsitze.
Um die Jahrhundertwende drängten sich mehr und mehr mehrstöckige Wohnbauten zwischen die flachen, reetbedachten Fischerhäuschen und es entstand ein hübscher Villenvorort. Und heute kommen die Ausflügler vorbei. Man kann über Land hierher kommen oder übers Wasser - mit Elbfähre oder Ausflugsdampfer. Wenn man den oberen Ortskern mit seinen Stadthäusern und Einkaufsstrassen durchquert hat, taucht man hinab in Blankeneses Hauptattraktion: Das historische "Treppenviertel". Einfache weiße Häuschen aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert mit adrett bemalten Fensterrahmen, Mini-Veranden und verwinkelten Terrassen lehnen sich hier an- und übereinander, balancieren auf Stützmauern über abschüssigem Gelände.
Und unvermittelt blitzt zwischen den Dächern, Giebeln und Erkern und hohen alten Bäumen immer wieder die Elbe durch - in den wechselnden Lichtstimmungen mal träge grau dahinziehend, mal von Böen gekräuselt, mal blau-golden leuchtend. Die Gässchen, Treppen und Stiegen winden und krümmen sich zu einem labyrinthischen Knäuel, steigen steil hoch und fallen jäh ab - und sind höchst nostalgisch gepflastert. An manchen Stellen ist es so eng, dass man allenfalls zu zweit nebeneinander gehen kann und Entgegenkommenden ausweichen muss. An die meisten Häuser des Treppenviertels kommt man überhaupt nicht mit dem Auto. Also müssen die Einwohner jeden Einkauf hinunter- oder heraufschleppen. Aber die Blankeneser lieben ihr Zuhause am Strom. Wer die quirrlige Enge der Gassen verlassen will, findet mittendrin und nebenan grosszügige historische Parkanlagen, die begüterte Kaufleute einst um ihre Landvillen herum angelegt haben. Am Ende führen alle Wege natürlich an die Elbe. Promenade und Treffpunkt ist der überraschend ebene "Strandweg", flankiert von heckengeschützten Gärten. Wer sich nach all dem Auf und Ab eine Rast gönnen möchte, findet hier einladende Restaurants und Kaffeegärten mit unverstelltem Elbblick. Wer es maritimer mag, überquert die Brücke zum "Bulln". Der 100 Meter lange, traditionsreiche Ponton-Anleger schwimmt im Strom. Hier lässt sich direkt am Wasser ein Gläschen trinken oder speisen.