04.03.2004

Bei den Beduinen des Sinai

Von Gebirgsbewohnern und anderen "bedawis"

Beduinenkind
Unter Beduinen, so erklärt das Lexikon, versteht man arabische und arabisierte Nomadenvölker, die Nordafrika, Arabien und Syrien bewohnen. Gastfreundlich, konservativ und freiheitsliebend sollen sie sein und in Zelten wohnen. Die Gastfreundlichkeit der Beduinen kann wohl jeder Besucher des Sinai bestätigen. Was den Punkt "in Zelten wohnend" betrifft, zeigen die "Bedawi" - arabisch für Wüstenbewohner " jedoch ein vielschichtigeres Bild. Neben Sommer- und Winterzelten nutzen sie schon seit ihrer Zuwanderung auch einfache Hütten aus Palmzweigen wie in der Küstenfischerei üblich und schmucklose Steinbauten. Kein Wunder, am Sinai sind die Beduinen nämlich genau genommen Halbnomaden, meist Schaf- und Ziegenhirten, aber auch Obstbauern, die sehr unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen - Sommer - Winter, Wüste - Hochgebirge - trotzen müssen.

 

So entstand schon früh eine Tendenz zur Sesshaftigkeit, die von der ägyptischen Zentralregierung heute durch Militärdienst und Besteuerung stark gefördert wird. Die Sinai-Stämme wie die Mezina und Tiah werden als diejenigen beschrieben, "Die den Weg verloren" haben und sich demzufolge wohl auf den Sinai verirrt haben. Sie stammen ursprünglich von der arabischen Halbinsel, von wo sie vor allem im 11. Jahrhundert einwanderten und auch ihre Sprache - Hocharabisch - "importierten". Der Stamm der "Gebirgsbewohner" (Gebeleja) soll bereits auf das 6. Jahrhundert zurückgehen. Damals stellte der oströmische Kaiser 100 Soldaten zum Schutz des Katharinenklosters ab.

 
Beduinen
Prächtige Häuser und teurer Hausrat sind für die meisten Bedawi auch heute kaum von Interesse. Die Bedeutung eines Stammes (bzw. eines Mannes) wird vielmehr an der Weite des von ihm kontrollierten Landes und an der Grösse seiner Herden gemessen. Ebenso traditionell sind die sozialen Strukturen: Der Mann ist das unumstrittene Familienoberhaupt.

 

Er erledigt die Geschäfte und nur er empfängt die Gäste am "magaad", dem speziellen Teetrinkplatz vor dem Zelt oder im Innenhof des Hauses, an dem auch die einfache Beduinenkost aus Käse, Ziegenmilch, Fladenbrot, Gemüse und Lammfleisch eingenommen wird. Gleichermassen uralt ist die Gastfreundlichkeit. So rät ein altes Sprichwort: "Sohn, lass dein Lagerfeuer stets leuchten und hoch brennen." Die Bedeutung: Lass dein Feuer immer von allen Vorüberziehenden und Verirrten gesehen werden, so dass du sie bewirten kannst. Ein Genuss, in den heute - gegen ein kleines Bakschisch - immer mehr Touristen kommen, wenn ihnen, zum Beispiel nach anstrengenden Trekkingtouren, ein willkommenes Nachtlager angeboten wird und am nächsten Morgen ein kräftiges "Tschakschuka" als Frühstück lockt.

 

Beduinendorf
 

Letzte Änderung: 04.03.2004
Medien (diese Seite): crha
Autor: crha

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