09.09.2005

Inselwelt Ägäis

Ein Kosmos für sich

Hafen griechische Insel

 

Denkt man an griechische Inseln, denkt man an das Postkartenidyll mit Kykladenhaus, würfelförmig und schneeweiß, hoch oben, mit Weitblick übers Meer. Ein schönes Bild, aber nicht das einzige, das man sich machen kann.

 

Was die Menschen auf die Inseln lockt, ist eine unschlagbare Mischung aus Strand, Kultur und griechischer Lebensart, mit kleinem Frühstück und langen Abenden in Tavernen und im Kafenion. Wer will, kann sich tagsüber in alten Amphitheatern oder Tempelruinen, bewaffnet mit Reiseführer und Camcorder, in die klassische Antike zurückversetzen lassen:

 

Auf Ägina warten der Apollo- und der Aphrodite-Tempel auf einen Besuch, auf Poros die Fundamente des Poseidontempels, auf Naoussa der angeblich schönste Ägäis-Hafen und die Ausgrabungen am Kap Akrotirion auf Santorin.

 

Hafen griechische Insel

Die Spezialitäten Lukumia (türk. Honig) und Nougat in Ermoupolis auf Syros sind köstlich, die Kirche Paraportianí in Mykonos einzigartig, die Ausgrabungsstätten von Delos mit Artemis-Tempel und die archaischem Löwen und Philippos-Portikus, sowie die schöne Insel Paros mit ihrem schneeweißen, fast durchsichtigen Marmor im Steinbruch von Marathi sehr berühmt. Auf Naxos ist die riesige Tempeltür des nie fertiggestellten Dionysos-Tempels und auf Ios die Kirche Ágia Iríni im Hauptort Órmos Íu einen Besuch wert. Auf Ios wird außerdem auch Homers Grab vermutet.

 

Tíra bzw. Santorin - als "Gesamtkunstwerk" - darf man sich nicht entgehen lassen und auf Amorgos auch nicht das an die Felswand geschmiegte Kloster Panágia Chryssoviotissa. Ebenfalls sehenswert sind die alten venezianischen Taubenhäuser auf Tinos und die Festung von Apollonia auf Sifnos.

 

Das große, dicht bewachsene Rhodos mit seiner mittelaterlichen Ritterstadt, dem Großmeisterpalast, dem wuchtigen Hafentor und den drei alten Windmühlentürmen am alten Hafen Mandraki ist ein absoluter Höhepunkt und kaum ein Besucher verlässt die Insel Kalymnos ohne einen großen Naturschwamm im Gepäck zu haben. Mit einem Wort: Attraktionen gibt es genug.

 

Collage versch. Motive griechische Inseln

Reif für viele Inseln
Darüber, wieviele griechische Inseln es gibt, gehen die Angaben auseinander. Es kommt auch darauf an, welchen von den aus dem Meer herausragenden Felsen man noch als Insel zählt. Mehrere tausend sind es, aber nur eine Minderheit ist ganzjährig bewohnt. Auf vielen Inseln finden sich z.B. nur Schafe, Ziegen und Esel, die, sich selbst überlassen, den Sommer über dort weiden.

 

Eine geographische Gliederung soll helfen, sich besser zurecht zu finden bzw. einen Überblick zu bekommen:
Neben den Inseln im Saronischen Golf nahe Athen und Piräus (Salamis, Ägina, Hydra, etc.) unterscheidet man die Kykladen im Zentrum (Kea, Andros, Syros, Mykonos, Delos, Paros, Ios, Amorgos, Santorin/Thira, etc.), den Dodekanes im Südosten (Astipaläa, Karpathos, Rhodos, Symi, Kos, Kalymnos, etc.), die Inseln der nördlichen und östlichen Ägäis (Ikaria, Samos, Chios, Lesbos, Thasos, etc.), die Sporaden (Skiathos, Skopelos, Skyros) sowie die große Insel Euböa. Damit reicht die Ägäis von Kythera im Westen bis Kastellorizo-Meghiste im Osten und von Thasos im Norden bis Karpathos im Süden.

 

Dass es in der Ägäis so viele Inseln gibt, liegt an dauernden tektonischen Verschiebungen der Afrikanischen und der Eurasischen Platte. Dort, wo die Afrikanisch Platte langsam unter die Eurasische rutscht, haben sich Vulkane gebildet - der bekannteste ist der von  Santorin: Thira. Etwa im Jahre 1600 vor Christus explodierte seine Caldera mit unvorstellbarer Gewalt und die Insel wurde in Stücke gerissen. Die gesamte Umgebung bekam einen mehrere Zentimeter dicken Ascheregen ab, die Minoische Kultur auf Kreta ist bei dieser Naturkatastrophe untergegangen. Noch heute strömen ständig heiße Gase aus dem Untergrund der im Krater liegenden Lavainsel Néa Kaiméni. Der Blick hinauf auf den Kraterrand von Thira, auf den wie einen Adlerhorst an die Klippe gebauten Hauptort Firá, bleibt unvergesslich. Der Blick von der Klippe ins Meer ebenso: vielen Brautpaaren ist er so wertvoll, dass sie ihren schönsten Tag nach Santorin verlegen um in diesem ungewöhnlichen Ambiente die Ringe zu tauschen.

 

Wanderinseln
Seit Jahren erkunden Wanderer die uralten Pfade einheimischer Bauern und Hirten und legen dabei beträchtliche Distanzen in wenig bewohntem Gelände zurück. Hier gelten übliche Vorsichtsmaßnahmen: die geplante Route und etwaige Ankunftsszeit beim Vermieter hinterlassen, feste Schuhe tragen und ein Handy sowie genug Wasser mitnehmen. Wegen der Sommerhitze ist diese Form des Tourismus aber eher im Frühjahr angebracht. Die Waldbrandgefahr ist dort groß, wo trockener Wald oder Buschwerk stehen. Auf manchen Inseln leben auch Schlangen. Daher sollten Pfade nicht verlassen werden und die Wanderer sollten sich "nicht zu schweigsam" verhalten, um diese Tiere vorzuwarnen. Die geeignetesten Wanderinseln sind Naxos und Amorgos, beide sehr gebirgig und für die Verhältnisse gut bewachsen.

 

Fähre, Flüge, Motorräder
Auf ein eigenes Auto - und eine bis zu zweitausend Kilometer lange Anfahrt mit dem Druck die reservierte Fähre erwischen zu müssen - lässt sich gut verzichten. Ist man als "Fußgänger" doch flexibler und findet auch auf ausgebuchten Fähren irgendwie immer noch ein Plätzchen. Die meisten größeren Inseln werden im Sommer regelmäßig von insgesamt zwei Dutzend Fähren angelaufen.
Zu den Fähren: Aus zahlreichen ADAC-Fährentests und auch aus eigener Anschauung ergab sich früher eine eher durchwachsene Beurteilung griechischer Fährschiffe. Selten boten sie einen befriedigenden Sicherheitsstandard. Nachdem im September 2001 die "Express Samaina" vor dem Hafen von Parikiá auf Paros sank und 81 Menschen ums Leben kamen, wurde die Regierung wachgerüttelt und ein groß angelegtes Sicherheitsprogramm für Schiffe und Mannschaften aufgelegt. Heute ist es um die griechischen Fähren, das Rückgrat des Inselverkehrs, gut bestellt. Und für den Zuschauer ist es immer wieder verblüffend, wie schnell sie anlegen, abladen, aufnehmen und wieder verschwunden sind.

 

Linienflüge vom Ausland auf die Inseln gibt es nicht. Es muss immer in Athen, in Einzelfällen in Thessaloniki auf innergriechische Flüge von Olympic umgestiegen werden. Charterflieger bedienen dagegen die Destinationen Chíos, Lesbos, Rhodos, Kos, Kárpathos, Mykonos, Sámos, Santorin und Skíathos. Auf den Inseln warten dann auf diejenigen, die einen motorisierten Untersatz haben möchten, zahlreiche Auto- und Motorrad-Verleiher. Mit passendem Führerschein und leichtem Gepäck eine flotte Fortbewegungsvariante, die aber nicht ganz ungefährlich ist, da die Urlaubsfahrer oft ungeübt und ortsunkundig sind. Der öffentliche Busverkehr funktioniert überall relativ gut und ist darüber hinaus auch sehr preiswert.

 

Wer zu den entlegensten Inseln der Ägäis will, wird feststellen, wie abgelegen sie auch heute noch sind, wie sehr sie sich ihre Inselhaftigkeit noch bewahren konnten. Um Zeit zu sparen, steigen manche auf die Tragflügelboote um, die einige der Verbindungen bedienen. Ob der Lärm, die stickige Luft in der Kabine und das harte Rumpeln des Wassers ein paar eingesparte Stunden wert sind, bleibt jedem Reisenden selbst überlassen.

 

Römische Touristen &andere Besucher
Heute sind es im Durchnitt 12 Millionen Menschen, die sich jährlich ihr ganz persönliches Bild von Griechenland und seiner Inselwelt machen. Die alten Römer - bereits zur Gattung der Massentouristen zu zählen - bereisten den Hellas schon in Scharen, nachdem sie sich die Wiege abendländischer Kultur militärisch unterworfen hatten. War es die leise Vorahnung, dort Ihren kulturellen Nachholbedarf stillen zu können, die die große Reiselust bewirkte? Oder spielten der griechische Wein und das gleißende, alles durchdringende Licht eine Rolle? Oder waren es die Spuren des Stammvaters Änäas, der aus dem brennenden Troja geflüchtet war, die für die Römer so anziehend waren? Wie sehr die Römer von der griechischen Welt beeinflusst wurden, zeigt sich vorallem in der sehr ähnlichen Glaubens- und Götterwelt. Wesentlicher Unterschied waren nur die Namen der einzelnen Götter... .

 

Eine weitere philo-hellenische Modeströmung entstand erst wieder mit Winckelmann und Goethe, später gegen 1820 im Zuge der Unabhängigkeitskriege der Griechen gegen die Osmanen. Otto von Wittelsbach wurde im Alter von nur 17 Jahren - nach erreichter Unabhängigkeit 1833 - zum neuen griechischen König gekürt. Seine Regentschaft hinterließ Griechenland nicht nur mehrere Brauereien nach bayerischem Vorbild, sondern auch zahlreiche neoklassizistische Repräsentativbauten, wie die des Münchner Baumeisters J. B. Erlacher in Ermoupolis, Hauptort der Insel Syros und gleichzeitig Verwaltungszentrum der Kykladen.

 

Nach Ende der Militärdiktatur 1974 bzw. ein paar Jahren Verzögerung platzte der touristische Knoten endgültig. Griechenland profitierte sehr von seiner Mitgliedschaft in der Europäischen Union und mauserte sich vom halbvergessenen Inselstaat im Südosten Europas zum Publikumsmagneten. Es wurde viel gebaut, die großen und brutalen Bausünden wie in anderen Mittelmeerländern wurden erfreulicherweise nicht begangen. Veränderungen in wirtschaftlichen Strukturen und im täglichen Leben beschränken sich auf einige, wenige Schauplätze. Auch hat der Tourismus dazu beigetragen, dass Menschen und auch junge Leute, die in entlegeneren und strukturschwächeren Gegenden leben, wieder eine Zukunkftsperspektive und wirtschaftliche Lebensgrundlage finden. Von Fischerei und ein paar Ziegen kann und will niemand leben. Trotzdem hält "der Grieche" an seinem traditionellen Leben fest und lebt es - spätestens wenn keine Touristen mehr im Land sind.

 

Letzte Änderung: 09.09.2005
Medien (diese Seite): tddp
Autor: tddp

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