Inselhüpfen mal zwölf
Wenn Singles in der Gruppe reisen
"Eva ist doof." Leise flüsterte ich es wie ein Gebet vor mir her. Wollte ich doch wenigstens die einfachsten Höflichkeitsbeweise an den Tag legen. Für das griechische Danke (efa richs to) hatte sich Jens diese Eselsbrücke einfallen lassen, ein erster Beweis seines kreativen Sprachtalents.
Insgesamt waren wir zwölf, acht Frauen und vier Männer, plus Reiseleiter. Für 14 Tage fuhren wir gemeinsam von Athen aus auf die Kykladen, hüpften von der Insel Paros nach Santorin und von dort zu unserem längsten Aufenthalt auf die Insel Naxos. Mit 23 Jahren war Katarina die Jüngste und Andreas, der Älteste, war 45 Jahre alt. Dazwischen tummelten sich einige um die Marke 24 und 27, die meisten befanden sich aber im ü-30-Alter, von 32 bis 37.
In Athen angekommen, traf ich Sabine, Claudia und Jens bei der Gepäckausgabe. Angenehme Wärme empfing uns in einem von olympischen Spielen geprägten Athen. Baustelle um Baustelle umfuhr unser Bus und hielt in der zauberhaften Plaka, der Altstadt Athens. Den Nachmittag verbrachte ich auf der Akropolis, mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Hauptstadt der Helenen. Abends lernten wir Costas kennen, unseren Reiseleiter. Am nächsten Tag ging es dann gemeinsam weiter nach Paros -
Jens brachte mir auf der schwankenden Fähre mit Tabletten und Kaugummis wieder Farbe ins Gesicht. Ein Apotheker in der Reisegruppe ist wirklich Gold wert. Kaum angekommen, erlebten wir in der Ekatontapiliani-Kirche, eine der ältesten christlichen Kirche Griechenlands, eine sehr traditionelle Hochzeit. War das ein gutes Omen für die Reise? Wer wusste das schon!
Zwei Tage später brachte uns die Fähre nach Naxos, unserem letzten Ziel. Vom Schiff aus konnten wir das Wahrzeichen der Insel, das sechs Meter hohe Tempeltor aus Marmor sehen, das auf einer Halbinsel im Norden der Hafenbucht steht. Das Portal war das Eingangstor zu einem Apollon-Tempel. Der feuerrote Sonnenball versank im Rahmen der "Portara". Dionysos, Gott von Naxos, der sich die Insel für seine fröhlichen Feste aussuchte, lehrte die Insulaner den Weinbau. Während einer Wanderung durch die herrliche Pflanzenwelt der Berge von Naxos bot uns der nächste Tag eine besondere Überraschung: Jens hatte um die Tragödie von Dionysos und Ariadne, der Tochter des Minotauros-Töters Theseus, die Dionysos einfach ungefragt auf Naxos heiratete, ein kleines Schauspiel kreiert: Er schrie als Dionysos und keifte als Ariadne. Als Chor und unterstützten wir die Spielhandlung und die Gefühlswelt mit Ausrufen. Währenddessen konnte ich aus den Augenwinkeln beobachten: Um Claudia war es geschehen. Fasziniert schaute sie zu Jens, der erst jetzt richtig in Fahrt kam.
Abends sitzen wir in einer Taverne in Naxos, der Hauptstadt. Der Boden aus grobem Stein, die Wände weiss gekalkt, Tische und Stühle Blau lackiert und mit Bast bespannt. An einem Tisch spielen zwei Gäste Backgammon, an einem anderen lassen sich gerade drei ältere Männer nieder, Einheimische mit grauen Bärten, braunen Gesichtern und Schiebermützen. Im Hintergrund spielt griechische Musik, plötzlich singt einer der Männer mit, seine Stimme ist voluminös, dunkel und mitreissend. Yannis, der Wirt, tischt unterdessen frische Scampis, panierte Pilze, gefüllte Paprika, Käse und jede Menge Wein aus Naxos auf. Es ist einer der schönsten Abende der Reise, die leider unaufhaltsam zu Ende geht.
Die Fähre brachte uns zurück nach Piräus, dem Hafen von Athen. An unserem letzten Abend zogen wir noch mal um die Häuser, aßen am Turm der Winde mit Blick auf die Akropolis und tranken griechischen Wein. Es war schön und die Luft war lau und es duftete nach Zitrone...
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