Tabaski - das grosse, islamische Hammelfest
Nationale Besonderheit und sehenswertes Erlebnis
Gambia ist etwas besonderes - der Staat in Westafrika, der an den Ufern des Gambia-Flusses liegt, wird vollständig - nur mit Ausnahme des kurzen Küstenabschnittes an der Mündung des Flusses in des Atlantischen Ozeans - vom Staat Senegal umschlossen. Mit einer Fläche von ungefähr 11.000 Quadratkilometern ist das Land etwa halb so groß wie das Bundesland Hessen und damit kleinster Flächenstaat des afrikanischen Kontinentes.
In nur sechs Flugstunden ist das Land an der Westküste Afrikas, mit einer völlig anderen Kultur, mit freundlichen und den Gästen gegenüber aufgeschlossenen Menschen, von Europa aus erreichbar. Ein Land, in dem etwa 95% der Bevölkerung zum sunnitischen Islam gehören, etwa 4% sind Christen. Neben den Religionen haben sich aber auch vielfältige Restformen animistischer Kulte wie magische Praktiken und geheime Initiationsriten erhalten. Diese animistischen (lat. Animismus: Seelenlehre) Stammesreligionen verehren Gottheiten, die sich in der Natur manifestierten, zum Beispiel in Bäumen, Höhlen und Quellen. Weit verbreitet ist nach wie vor der Glaube an Magie, Hellseherei und Talismane. Viele Menschen sind von der Wirkung der sog. gris-gris überzeugt. In Ledersäckchen werden Koransprüche eingenäht, die dann um den Leib, den Hals oder die Oberarme getragen werden. Dann fühlen sich die Menschen vor Bösem geschützt.
Ein wichtiges islamisches Fest ist Tabaski - das grosse Hammelfest. Schon Wochen vorher sind die Menschen mit den Vorbereitungen beschäftigt. Es müssen Kleider genäht werden. Wer keine eigenen Ziegen oder Schafe hat, muss sich welche kaufen. Am Morgen von Tabaski treffen sich zumeist Kinder, junge und alte Männer an einem zentralen Ort des Dorfes oder in den grossen Moscheen der Städte. Der Imam (arab. Vorbeter in der Moschee) liest aus dem Koran vor. Nach dem gemeinsamen Gebet kehren die Leute in ihre Familien zurück.
Am Nachmittag beginnen alle, sich festlich anzuziehen. Es sieht ein wenig paradox aus, wenn in den Dörfern aus den Lehmhütten Frauen heraustreten, deren Kleider beinahe unbeschreibbar sind: prachtvoll, bunt und stolz. Allein die Haarfrisuren sind Kunstwerke, für die die Frauen und Mädchen manchmal stundenlang stillhalten. Diese phantastischen Frisuren sind Ausdruck und Element eines ausgeprägten Körper- und Schönheitskultes. Das Äussere an solchen Festtagen verleiht den Afrikanerinnen Individualität, einmalige Schönheit und Würde. Aber auch die Männer legen oftmals an diesen Tagen die europäisierte Kleidung wie Jeans oder Trainingshose beeseite und ziehen afrikanische Kleidung an.
Es gehört zu Tabaski, dass die Menschen, vor allem aber die Kinder, von Tür zu Tür gehen und um eine kleine Gabe bitten. Wer das Glück hat, zu einem solchen Feiertag in Gambia zu sein, sollte daher eine große Tasche mit Kleingeld dabei haben. Selbst die Freunde und Verwandten, die sich gegenseitig besuchen, müssen ein kleines Mitbringsel mitbringen. Und immer wieder wird gegessen. Jeder Besucher der Familie soll teilhaben an dem großen Festmahl. Am Abend gehen die jungen Gambier zur Disko und tanzen ausgelassen zu ihren afrikanischen Stars und Reggae.
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