Im Fischerdorf Tanje
Der ganz normale Alltag
Vielleicht nicht verwunderlich, da doch die Bewohner der Fischerdörfer den Atlantischen Ozean jeden Tag sehen. Ihnen dient er vielmehr zum Fischfang. Schon vom Flugzeug aus kann man beim Landeanflug während der Nacht viele Lichter auf dem Meer sehen. Fischer, die mit ihren Booten hinausfahren, um kurz nach Sonnenaufgang mit gut gefüllten Netzen zurückkehren zu können. Schon sehr junge Männer, oft noch Kinder, fahren hinaus auf den manchmal unberechenbaren Ozean, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Sind die Fischer vom Fischen zurückgekommen, werden die Fische vom Boot aus verkauft. Viele Frauen stehen mit ihren Schüsseln bereit, um für ihre Familien einzukaufen. Der größte Teil des Fangs wird in Holzkisten verpackt, die u.a. nach Serekunda gebracht oder für den Export vorbereitet werden. Die kleinen Händler packen sich Kisten auf das Fahrrad und fahren in die abgelegenen Buschdörfer. Manche der Fisch-Kuriere nehmen zehn oder zwanzig Kilometer auf sich. Da macht es keinen Unterschied, ob in der Trockenzeit die Wege sehr sandig oder während der Regenzeit vom Wasser völlig aufgeweicht sind. Die Männer mit ihren Fahrrädern und den Fischen sind immer zu sehen.
Ein Fischerort am Atlantik ist Tanje. Dort gibt es zu jeder Tageszeit sehr preiswert frischen Fisch am Strand zu kaufen. Der Strand hat sich zu einem Markt entwickelt. So gibt es nicht nur Meeresfrüchte zu erwerben. Die Frauen des Ortes verkaufen dort je nach Saison Bananen, Mangos, Tomaten, Orangen, Erdnüsse - eben immer frisches Obst und Gemüse. In den Holzbretterbuden, die wie Kioske aussehen, wird ein breites Sortiment von allen möglichen Dingen angeboten. So wie in einem "Tante Emma-Laden". Mit ein bisschen Aufmerksamkeit findet man auch jemanden, der frische Kuhmilch verkauft.
In der Ortsmitte befindet sich ein sog. Gamtel (öffentliches Telefonhaus), wo insbesondere in den Abendstunden großer Andrang herrscht. Da Gambia über ein recht modernes Telefonnetz verfügt und zunehmend mehr Gambier zumindest in den großen Städten wie Banjul und Serekunda einen eigenen Apparat besitzen, mögen es die Gambier, einfach mal "Hallo" zu sagen. Denn ein Dalasi ist selbst für einen Einheimischen sehr preiswert. Ein zweites Gamtel mit Telefon und Fax ist bereits erbaut worden.
In Tanje gibt es zudem eine schöne Moschee zu besichtigen und ein Museum, dessen Besuch zu empfehlen ist. Anschaulich werden dort die Grundstrukturen des ländlichen gambischen Lebens dargestellt. Ein persönlicher Rundführer erklärt die Arbeitsmaterialien für das tägliche Leben, Schmiede zeigen, wie sie Schmuck herstellen. Man kann in einer Rundhütte auf einem typischen Bett platznehmen oder am Brunnen Wasser schöpfen. Und wenn der Rundgang im Museum beendet ist, kann man das Meer wieder rauschen hören, an den Strand zurück kehren und kilometerweit laufen, ohne anderen Menschen zu begegnen.
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