Sandboarding: Kopfüber im Kaktus
Sandboarder brauchen keine Pisten in den Bergen
Kein Schnee? Kein Problem. Sandboarder brauchen keine Pisten in den Bergen. Die Adrenalin-Junkies flitzen auf ihren Sandboards Dünen hinunter, liefern sich Highspeedrennen und zeigen atemberaubende Sprünge.
Luftige Kleidung ist trotz Hitze nicht angesagt, denn auf Sand drohen schmerzhafte Verletzungen, vor allem Brandblasen und Schürfwunden. Helme und Anzüge schützen bei Rutschpartien auf dem schmirgelpapierähnlichen Untergrund. Handgelenk- und Knieprotektoren sind bei über 70 Stundenkilometern ein Muss. Eine Skibrille erinnert an die coolen Outfits der Wintersaison.
Gegenüber dem Treiben im Schnee hat das Dünenrutschen einen großen Vorteil: Sand schmilzt nie, die Sportart hat das ganze Jahr Saison. Weiteres Plus: Sandboarding ist umweltfreundlicher als die winterlichen Disziplinen. Keine Bäume müssen weichen, keine Pisten aufwändig präpariert werden. Das bedeutet aber auch, dass die Boarder mit Vorausblick fahren müssen: Wer nicht aufpasst, landet schon einmal kopfüber in einem Kaktus.
Die Pioniere des Sandboardens stellten sich auf alles Mögliche: Spanplatten, Motorhauben und selbst einfache Pappe mussten erhalten. Später wurden die Geräte aus anderen Sportarten entliehen: Ob Surfbrett, Wasserski oder Snowdisc, alles kam gelegen. Auch heute genügt Anfängern schon ein ausrangiertes Snowboard, um auf feinem Sand dem Tal entgegen zu brettern.
Ambitionierte Raser und Sprungkünstler haben eine bessere Ausrüstung, sie finden im Fachhandel spezielle Sandboards. Kürzere Varianten, auf denen die Fußspitzen senkrecht zur Fahrtrichtung zeigen, erleichtern Tricks und Sprungeinlagen. Lange Boards mit schräg aufgesetzten Fußschnallen sorgen für mehr Speed. Günstige Bretter sind aus Holz, die teuren aus einer Kunststoffmischung oder mit Stahl beschichtet. Kosten: ab 300 Euro.
Zum trendigen Funsport wurde das Sandboarden vor allem durch Surfer und Skateboarder - und das übrigens schon in den Sechzigern. Die ersten dokumentierten Stehversuche auf Sandbrettern stammen bereits aus den Vierzigern. Einige Quellen behaupten sogar, dass schon die alten Ägypter ihre goldenen Dünen hinunter rutschten: auf Planken aus gehärtetem Ton oder aus Holz. Falls das stimmt, könnte man die Pyramiden in einem ganz neuen Licht sehen.
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